Tristan und sei Oide

 

oder

Aufstand der Wagner-Weiber

 

 

Theaterbühne Schwandorf

Juli 2016

Schloss Fronberg bei Schwandorf

 

www.theater-schwandorf.de

 

 

 

Unter Führung von Brünnhilde haben sich die Wagnerweiber aufgemacht, um Isolde aus Bad Irrling vorm drohenden Bühnentod zu bewahren. Sie treffen sich im heruntergewirtschafteten Kareol-Wirt, den Tristan von seinem Onkel, dem Brauerkönig Marke gepachtet hat. Tristan zeigt sich so schwermütig und träge, dass die Wagnerweiber Isolde schon "so gut wie tot" sehen, wenn beide zusammentreffen. Die Lage spitzt sich zu, als Onkel Marke Tristan überredet, in Bad Irrling eine Baustelle einer neuen Pilgerherberge zu verwüsten. Bauherrn sind Isolde und ihr Verlobter Morold. Tatsächlich verirrt sich Tristan nach der Keilerei verletzt in einen Ufergarten, in dem Isolde gerade auf ihren Verlobten wartet. Sofort fangen die beiden Feuer. Aber Brünnhilde ist zur Stelle und wirft sich mit ihren Genossinnen ins Geschehen? Erfolgreich? Jedenfalls sind noch viele Beinahekatastrophen zu umschiffen.
Wagners Musikdrama so, wie man es schon immer erleben wollte.

 

Neuer Tag Schwandorf, 11. Juli 2016

"Tristan und sei Oide" im Schlosshof

Liebe ja, Liebestod nein

Muss Wagner immer mit einer Tragödie enden? Rolf Stemmle stemmt sich dagegen, und die "Theaterbühne Schwandorf" schloss sich seiner Intention mit "Tristan und sei Oide" trefflich an.

Schöner kann das Ambiente für eine Freilicht-Aufführung kaum sein als der innere Schlosshof in Fronberg. Selbst König Fußball war bei der Premiere keine Konkurrenz, der Hof war mit Gästen gut gefüllt, die den "Aufstand der Wagnerweiber" - so der Untertitel von Rolf Stemmles Stück - erwarteten. Diese fünf Frauen zeigen die Heldinnen aus bedeutenden Wagner-Opern in neuem Lichte: Manuela Pürzel-Lehner verkörperte die Brünnhilde aus dem "Ring des Nibelungen", Susanne Steinshorn die Senta aus "Der fliegende Holländer", Maria Ziegler die Eva aus "Die Meistersinger von Nürnberg ", Brigitte Hering die Elsa aus "Lohengrin" und Elisabeth Gareis die Elisabeth aus "Tannhäuser".
Jede einzelne präsentierte einen ausgeprägten Charakter, darüber hinaus waren sie als Ensemble unschlagbar. Sie bestimmten mit ihrem übertriebenen Gehabe und ihren treffenden wie lustigen Sprüchen unter dem Markenzeichen "Hojotoho" wesentlich das Verständnis der Handlung.

Grundidee ändern

Sie wollten Wagners Grundidee ändern: Statt Liebestod soll es besser Liebes-Seligkeit geben. Anja Kolbeck schaffte es als Isolde faszinierend, zwischen dem Mann mit Geld und dem Mann, den sie liebt, hin- und hergerissen zu sein. So wie sie ihre Rolle gestaltete, glaubte man ihr Schwanken zwischen Verzweiflung und Glücksempfinden. Es erklärt ihre Einstellung zum vornehmen Brauereibesitzer Marke (Hans Wilhelm), zu ihrem rabiaten Verlobten Morold (Bernd Eichinger), ihrer die Sicherheit im Leben betonenden Mutter, Frau Flins (Karin Mager), und zu dem feinsinnigen Tristan (Robert Wilhelm), der so gar nicht in das System hineinpasst, zu dem sie sich aber gerade deshalb hingezogen fühlt.
Tristan geht es ähnlich. Er zeigt sich verliebt, fühlt sich aber von Isolde zuweilen harsch behandelt. Seine Zerrissenheit zwischen Hoffnung und Depression bildet das vom Darsteller glaubhaft vermittelte Spiegelbild seines Wesens. Auch die kleineren Rollen gefielen. Erwin Zechmann prägte den Kurwenal, Irene Kaaden gab eine interessante Brangäne, Sabine Brunner verkörperte Markes Sekretär und regte mit ihm oft genug zum Schmunzeln an.

Feine Regie

Nicht von Wagner war der Maler (Michael Daube) und seine beiden Kinder (Annika Scheibl und Ivan Rtischew), die aber gekonnt verhinderten, dass Auseinandersetzungen zu ernsthaft empfunden wurden. Das gelang auch der Magd (Nina Steinshorn). Ein Kapitän (Christian Köppl) kommandierte die Holzbohlen, die von den Bühnenbauern Karl Steinhofer und Hans Wilhelm zum Schiff gedeutet waren.
Das passende Licht vermittelte Roland Meiller, für Ausstattung und Maske waren lobenswert Ingrid Wilhelm und Hannelore Kusterer zuständig. Zwischendrin spielten Kathi Hammer (Querflöte), Julia Graf (Violine/Viola) und Nadine Graf (Fagott) zum Stück passende Weisen, zu denen auf der Bühne auch gesungen wurde. Kirstin Rokita gab erneut eine feine Kostprobe ihres Könnens als Regisseurin.
Rolf Stemmles Idee, Wagner auf bairisch und endlich mal weniger ernsthaft zu präsentieren, gefiel umso mehr, je länger der Theaterabend dauerte. In welches Ende die Handlung schließlich mündete, regte nochmals zu ergiebigem Schmunzeln an und brachte dem Ensemble begeisterten Beifall des Publikums.

 

 

Das Ensemble der

Theaterbühne Schwandorf

im Hof von Schloss Fronberg

bei Schwandorf

 

MZ Schwandorf 17 Juli 2016

Götterdämmerung für Richard Wagner

Die Theaterbühne Schwandorf brachte in einer umjubelten Persiflage das Stück „Tristan und sei Oide“ auf die Bühne.
Von Renate Ahrens

Schwandorf.

Begeisterung und viel Applaus war ihnen auch dieses Mal sicher: Die Theaterbühne Schwandorf präsentierte zum siebten Mal im Schlosshof Fronberg ein Stück, heuer war es „Tristan und sei Oide oder Aufstand der Wagnerweiber“ unter der Regie von Kirstin Rokita. Am Samstag fand die letzte Vorstellung statt, wie alle anderen war sie lange zuvor restlos ausverkauft.

Das Flair im wunderschönen Schlosshof mit seinen Balkonen und Erkern und den Rosen passte hervorragend zu der Komödie, die im Mittelalter spielt und eine gelungene Persiflage auf die Wagner-Opern ist. Mit viel Herzblut, Talent und Spielfreude waren die 17 Mitwirkenden wieder dabei, begleitet von drei Musikerinnen. Schräg sollte alles sein, das Stück, die Musik und sogar die Requisiten. Der Regensburger Autor und Wagner-Kenner Rolf Stemmle hatte die Komödie, die im Jahr 2010 in München uraufgeführt wurde, auf die Schwandorfer Gegend umgeschrieben. „Eine Parodie zu schreiben, ist am schwersten. Aber das ist auch der Reiz daran“, erklärte er der MZ. Von Beginn an zogen die Schauspieler das Publikum in ihren Bann, auch ohne Wagner-Vorkenntnisse. Sogar auf Gesang hatten sie sich eingelassen, auf Bairisch wie das ganze Stück.

So viel zum Geschehen: Die resolute Brünnhilde versammelt die Wagner-Weiber Elsa, Senta, Elisabeth und Eva beim Kareol-Wirt in Fronberg, weil sie munkeln hörte, dass Richard Wagner wieder an einer Oper schreibt. „Tristan und Isolde“ soll das neue Epos heißen, und wieder droht der Hauptdarstellerin der Bühnentod, in diesem Fall der Liebestod. Brünnhilde und die anderen Weiber – ebenfalls alle Wagneropfer – wollen das verhindern. Mit dem Sterben müsse auch mal Schluss sein. Sie spionieren und greifen in den Spielverlauf ein, wenn es sein muss. Wie auch im echten Wagner-Drama bringt es Zofe Brangäne nicht über sich, den Todestrank zu reichen, sondern tauscht ihn gegen einen Liebestrank. Diese Szene wurde reizvoll durch ein Schattenspiel dargestellt.

Das Ende darf man jetzt nach den Vorstellungen verraten: „G’storben wird net“, sagt Isolde entschieden zu Tristan. „Lass uns glücklich sein auch ohne Liebestod.“ So geschah es, und auch andere Liebespaare hatten sich gefunden. Stemmle bringt es danach auf den Punkt: „Das Stück wurde mit guter Laune gespielt und gut inszeniert.“ Für ihn gebe es „keinen größeren Spaß“, als ein Werk auf der Bühne zu sehen, das er selbst geschrieben hat.

Dabei sei es schon eine besondere Herausforderung, eine Oper aufs Korn zu nehmen, erklärte Regisseurin und Schauspielerin Kirstin Rokita. Auch sie hatte viel Spaß, wie sie betonte. „Auf der Bühne kann man Facetten zeigen, die man im Alltag nicht hat. Mir selbst gefallen am besten die bösen Rollen.“ Der Leiter der Theaterbühne, Hans Wilhelm, war sehr zufrieden mit den diesjährigen „Schwandorfer Schlossfestspielen“. Mit dem Wetter habe man sowieso immer Glück, erklärte er erleichtert. Der Verein hatte viel Zeit und Mühe in die Vorstellungen investiert. „Die Leute sollen glücklicher hinausgehen als sie gekommen sind, mit einem Lächeln auf den Lippen“. Das ist gelungen.

 

 

   

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