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Wenn drei sich morden ...

Eine Komödie in drei Aufzügen
von Rolf Stemmle 

Personen:
Ulli
Oskar
Ingeborg
Professor Sauer
Strotzki

Ort und Zeit:
Ullis Haus
weit draußen im Grünen;
Gegenwart, Hochsommer

 

Aufführungsrechte beim Deutschen Theaterverlag
Manuskript zur Ansicht zu bestellen bei:
Deutscher Theaterverlag, 200263, 69459 Weinheim
 www.dtver.de

       
 
Eine solide und flotte Kriminalkomödie zu schreiben, das ist ja gar nicht so einfach. Stemmle hat die richtigen Zutaten mit Geschick zu einem Spaß- und Spannungsstück gemischt: Eine gute Stroy, flotte Bienen und böse Buben, die sich gegenseitig nicht nur an die Unterwäsche, sondern auch ans Leben wollen. (...) Anschauen lohnt sich. (Die Woche, Regensburg)

Die Komödie von Rolf Stemmle hat alles, was ein Stück so braucht: interessante Charaktere, Zufälle, Mordpläne und schließlich Liebe. (...) Als endlich klar war, wer dran glauben musste, war das Publikum begeistert, sogar "Bravo"-Rufe wurden laut. (Regensburger Stadtzeitung)

   
  Der Killer Oskar soll die Biologin Ulli beseitigen. Doch die agile junge Frau verliebt sich auf den ersten Blick in ihn - was die Sache erheblich erschwert. Schließlich taucht Ingeborg auf, die ihrerseits auf Oskar angesetzt ist. Verwicklungen und verfängliche Situationen sind die Folge; insbesondere, als auch noch Ullis Bio-Professor vorbei kommt. Die beiden Biologen wollen die Wirkung eines neuartigen Schneckenvernichtungsmittels auf Aphrodisiaka-Basis an Menschen testen. Am Ende erscheint auch noch der Gangsterboss Strotzki. Die Jagd mündet in ein spektakuläres Abendessen, bei dem die Mord- und Menschenversuche endlich in die Tat umgesetzt werden sollen…
Eine turbulente Kriminalkomödie!
       

Textprobe 

Erster Aufzug 

Janis Joplin, Cry Baby schallt aus einem Radiorekorder. 

Wohnraum ohne Einrichtung, Abend 

Ulli, eine lebhafte und gefühlvolle junge Frau, alternativ angehaucht, bezieht gerade ein kleines Haus weit draußen auf dem Lande. Die Räume sind noch nahezu leer - die Möbelpacker lassen auf sich warten. 

Wie in allen Räumen, so stehen auch hier Kartons und Obstkisten wirr und kunterbunt umher. Auf einem Karton hat Ulli ein wissenschaftliches Versuchslabor aufgebaut. Dort gibt es alles, was man erwartet: Bücher, Reagenzgläser, Fläschchen, Behälter mit Pflanzenteilen sowie ein kleines Terrarium. Weiter finden sich in diesem Zimmer vier Holzstühle: Zwei sind bereits bunt bemalt, einer wird gerade bemalt und steht deshalb auf einer Kiste, und einer ist noch unansehnlich farblos. Ferner liegen viele kleine und große Sachen in den Ecken, auf und neben den Kartons. Mitten im Raum steht ein Radiorekorder.

Die Bühne bleibt einige Zeit leer. 

Ulli kommt herein. Sie hat draußen ein weiteres Farbtöpfchen geholt und ist nun auf der Suche nach einem sauberen Lappen. Sie ist nicht sonderlich gut gelaunt; trotzdem kann sie sich dem Rhythmus der Musik nicht entziehen. Sie durchwühlt einige Schachteln und wird fündig. Dann wirft sie einen Blick in das Terrarium.

Ulli:                              Wie schaut's aus? Romine und Julianus? Na, übertreibt's nicht! Und ihr, Tristane und Isoldius? (Schaut auf die Uhr.) Wird allmählich Zeit!

Sie wendet sich vom Terrarium ab, bewegt sich etwas zur Musik, nascht Pflanzenteile und widmet sich dem Stuhl, der halbbemalt auf einer Kiste steht.

Das Telefon klingelt.

Sie wundert sich, schaltet den Rekorder aus und hebt ab.

Ulli:                              Hallo, da ist die Ulli! - (Erfreut.) Hi, Rosi! Stell Dir vor, die Möbelpacker sind noch nicht da. Weiß Gott, wo die hängengeblieben sind. Zum Wochenende werden die wohl kaum noch kommen. Ansonsten schaut's hier ziemlich chaotisch aus: Kisten, Schachteln. Du, ich streich gerade die vier Stühle. - Jaja, die taugen schon. (Pause. Trüber.) Naja, wie's halt so geht. Ich komm schon drüber weg. Toll ist halt, dass das mit dem Haus so schnell geklappt hat und ich weg bin - von - naja... - Ich bin so unschlüssig, ob ich was machen soll. Sag ich nichts, ist es blöd, sag ich was, fühl ich mich erst recht nicht wohl. - Ich weiß halt, wo sie sich versteckt haben. Und das ist vielleicht ein bisschen zu viel. (Sich aufmunternd.) Naja, die werden schon nicht auf dumme Gedanken kommen...  Und bei Euch? - Ach, in die Hose! (Am anderen Ende der Leitung entsteht eine brisante Situation.) Oh! - Ich warte. - Jaja, Du kannst später nochmal...

Rosi hat überraschend aufgehängt. Ulli bleibt einige Augenblicke melancholisch am Hörer und legt schließlich - ganz in Gedanken - schwer und zärtlich auf. Dann schaltet sie den Rekorder an, dreht leiser und grübelt vor sich hin.

Ulli energisch:             Aus! Die Geschichte ist vorbei!

Sie dreht den Rekorder so laut wie möglich und geht wieder ans Malen.

Es klingelt.

Sie wundert sich wiederum, schaltet den Rekorder aus, geht zur Tür und öffnet.

Ein junger Mann, ordentlich gekleidet, mit Vertreterkoffer, steht draußen. Er wirkt etwas schüchtern, bemüht sich aber, selbstbewusst zu sein.

Ulli unfreundlich:         Hallo!

Oskar:Guten                 Tag.

Ulli:                              Und, was wollen Sie?

Oskar:                          Ich bin Handelsvertreter...

Ulli:                              Tut mir leid, ich hab schon alles. Wiedersehn. (Will die Türe schließen.)

Oskar:                          Nein, nein, Sie verstehen mich falsch. Ich will Ihnen nichts verkaufen...

Ulli:                              Sondern?

Oskar:                          Ich suche nach einem Weg.

Ulli:                              Hier gibt's nur einen.

Oskar:                          Das ist einer zu wenig.

Ulli:                              Und welcher fehlt Ihnen?

Oskar:                         Der zur Firma Wullix GmbH, Haus- und Sanitärbedarf - in Trögingen.

Ulli:                              Tut mir leid, den gibt's hier wirklich nicht...

Oskar schweigt und denkt.

Ulli:                              Suchen Sie noch einen Weg?

Oskar:                          Hätten Sie was dagegen, wenn ich mal Ihr Telefon benütze? Ich zahle natürlich.

Ulli zögert.

Oskar vorsichtig ironisch: Bei Ihrer Freundlichkeit müsste das doch selbstverständlich sein!

Ulli misstrauisch:         Okay, kommen Sie rein.

Oskar:                          Ich danke für Ihre Gastfreundschaft! (Wählt und wartet.) Es hebt niemand ab.

Ulli:                              Wen wollten Sie denn anrufen?

Oskar:                          Unseren Termindisponenten.

Ulli:                              Freitag um neun ist ja auch keine sonderlich günstige Zeit dafür.

Oskar setzt sich:          Was mache ich jetzt nur?

Ulli:                              Heimfahren! Die Woche ist gelaufen!

Oskar:                          Ich wohne sechshundert Kilometer von hier. Und am Montag muss ich in der Gegend weitermachen. Das ist jetzt wirklich blöd. (Demonstrativ unentschlossen.) Herrje. Was mache ich nur?

Ulli:                              Es gibt Probleme, mit denen ist man allein!

Oskar:                          Mir wäre im Augenblick schon damit gedient, wenn Sie sich mit Ihren Kommentaren zurückhalten würden.

Ulli ironisch:                Entschuldigung! Ich streiche meine Stühle. Denken Sie in aller Ruhe nach! Zu gegebener Zeit können Sie mir ja Ihren Entschluss mitteilen.

Oskar sitzt und denkt, Ulli streicht den Stuhl und mustert Oskar hin und wieder. Da Oskar eine unbegrenzte Ausdauer zu haben scheint, bricht Ulli das Schweigen.

Ulli:                               Haben Sie schon was gegessen?

Oskar:                          Ehrlich gesagt, nein.

Ulli:                              Ich hab nämlich Hunger, und ich mach mir jetzt ein Müsli. Wenn Sie sowas essen, können Sie auch eins haben. Vielleicht fällt Ihnen dann das Denken leichter.

Oskar:                          Ich mag Müsli sehr gerne.

Ulli betrachtet ihn ungläubig: Freut mich - für Sie. Mit kalter oder warmer Milch?

Oskar:                          Mit warmer - wenn's keine Umstände macht.

Ulli:                              Ich werd's überleben. (Ab.)

Sofort nachdem Ulli den Raum verlassen hat, öffnet Oskar seinen Vertreterkoffer, zieht ein Foto hervor und betrachtet es. Dann nimmt er ein Fläschchen heraus und steckt es in die Jacketttasche. Zuletzt überprüft er eine Pistole. Die verbleibende Zeit schnüffelt er im Raum herum, versucht, Näheres über Ulli herauszubekommen.

Ulli kommt mit zwei Schüsseln, Löffel und einer Packung Müsli.

Ulli:                               Die Milch ist gleich fertig. Sie könnten damit einen Tisch bauen. (Zeigt auf eine große Schachtel.)

Oskar rückt den Karton herbei und stellt Stühle dazu. Ulli stellt die Schüsseln und das Müsli ab, Schüttelt Müslikörner in die Schüsseln.

Oskar hintersinnig:     Sie leben hier sehr spartanisch.

Ulli:                              Ich zieh gerade erst ein. Und die Möbelpacker sind verschollen. Wenn mal die Möbeln da sind, wird's hier urgemütlich.

Oskar:                         Wieviel kommt denn noch?

Ulli:                              Schrank, Tisch, ein Regal und ein Bett - für Küche und drei Zimmer. Das reicht! Die nötige Phantasie werd ich dann schon haben, um daraus eine Wohnung zu machen. Hauptsache, das Haus ist erst mal da.

Oskar listig:                 Man könnte meinen, Sie seien übereilt hier eingezogen.

Ulli kurz:                      Könnte man meinen, ja. - Jetzt ist die Milch fertig. (Ab.)

Oskar:                          Das war eindeutig.

Er zieht das Fläschchen hervor, tropft - mit argen Skrupeln - etwas Flüssigkeit in Ullis Müsli-Schüssel und steckt das Fläschchen wieder weg.

Ulli kommt mit der Milch und schüttet sie in die Schüsseln.

Ulli:                               Es gibt Leute, die fühlen sich in viel Möbeln wohl, andere in wenig. Ich in sehr wenig. Meine Schwester beispielsweise in viel.

Oskar erschrickt:         Sie haben eine Schwester?

Ulli:                              Ja, eine Zwillingsschwester. Wir unterscheiden uns nur in unserer Beziehung zu Möbeln.

Oskar:                          Und äußerlich?

Ulli will gerade den ersten Löffel in den Mund schieben: Eineiig.

Oskar stürzt sich dazwischen: Haben Sie noch Zucker?

Ulli geschockt:             Sie essen Zucker!?

Oskar:                          Oder Süßstoff, oder sonstwas. Irgendwas.

Ulli:                               Honig hab ich.

Oskar:                           Ja, bitte. Unbedingt.

Ulli:                               Von mir aus. (Misstrauisch und verständnislos ab.)

In größter Panik schüttet Oskar Ullis Müsli in seinen Vertreterkoffer und vertauscht die Schüsseln.

Ulli kommt mit Honig zurück.

Oskar konfus:              Jetzt habe ich mein Müsli schon aufgegessen.

Ulli schluckt; mit großen, staunenden Augen: Ohne Honig?

Oskar:                          Der Hunger. Ich habe seit Mittag nichts gegessen.

Ulli unsicher:                Naja. Hoffentlich kriegen Sie keine Magenkrämpfe.

Oskar:                          Ich glaube nicht.

Ulli:                               Ich werde mir für mein Müsli etwas mehr Zeit lassen!

Oskar:                           Das ist auch bestimmt gesünder.

Pause.

Ulli beginnt vorsichtig und misstrauisch zu essen. Sie mustert ihn unaufhörlich. Oskar wirkt fahrig und hilflos. Dies bewirkt bei Ulli ein tiefempfundenes Mitleid.

Ulli:                               Irgendwas stimmt mit Ihnen nicht. Sie wirken so gehetzt.

Oskar:                           Das lange Autofahren.

Ulli:                               Scheißjob, hm?

Oskar leise:                  Ja.

Ulli:                               Keine Selbstverwirklichung.

Oskar:                           Keine.

Ulli:                               Abgestürzt.

Oskar:                           Tief.

Ulli:                               Verschuldet.

Oskar:                           Hoch.

Ulli:                               Unverschuldet.

Oskar:                           Frauengeschichte.

Ulli:                               Ohje. Mir geht's auch nicht gut. Männergeschichte.

Oskar:                           Ohje.

Sie seufzen.

Das Telefon klingelt.

       
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