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Station 11

 Eine Komödie
von Rolf Stemmle

Personen:
Andreas Thal
Friedrich Schmidthammer
Schwester Irmgard
Schwester Susanne
Ewald Walz
Konrad

Ort und Zeit:
Zweibettzimmer
auf einer chirurgischen Station;
Gegenwart 

Aufführungsrechte beim Autor
 Manuskript zu bestellen beim Autor

       

 

Andreas wird in seinem geschäftigen Leben zu einer kleinen Pause gezwungen, weil ein unbedeutender Hämorrhoiden-Knoten entfernt werden muss. Er muss bis zum ersten Stuhlgang im Krankenhaus bleiben. Sein Zimmergenosse ist Friedrich. Der alte, humorvolle Mann ist wegen seines Raucherbeines bereits Monate hier. Für ihn ist der Aufenthalt zum eigentlichen Leben geworden. Besuch erhält er regelmäßig von seinem geschwätzigen und rührigen Schwiegersohn Ewald, der ebenfalls mehr hier als zu Hause lebt. Diese Atmosphäre des Stillstandes wird für Andreas zum Problem, denn auch er droht zu erstarren – genau wie sein Stuhlgang.
Tragikomische Studie über das Leben!

       
 

Textprobe 

Erstes Bild 

Ein Zweibettzimmer auf einer chirurgischen Station. 

Ein heller, aber karger Raum in einem älteren Gebäude; weiß getüncht und mit milchig-mattem Inventar ausgestattet.

Die beiden Betten sind mit ihren Kopfenden an die Hinterwand geschoben. Dazwischen erhebt sich ein zweitüriger Garderobenschrank, welcher den Raum optisch in zwei Bereiche teilt. Jeweils zu den Außenseiten hin steht ein Nachtkästchen sowie ein Besucherstuhl. Eine Tür in der rechten Wand führt hinaus auf den Stationsflur, eine weitere Türe vorne links in ein kleines Bad. Unmittelbar hinterhalb dieser Tür hat ein kleiner quadratischer Tisch mit Blumenvase sowie einem weiteren Stuhl Platz gefunden. Darüber prangt ein gewaltiges Kruzifix. In der Vorderseite, also Richtung Publikum, ist ein Fenster anzunehmen.

Das linke Bett ist leer. Frischbezogen wartet es auf einen neuen Patienten. Im rechten sitzt Friedrich Schmidthammer. Die Würde, mit welcher der alte Mann seine Brille auf der Nase trägt und  Zeitung liest, ist durchsichtig; viel zu stark hat ihn der lange Aufenthalt im Krankenhaus geprägt und zermürbt, die Haut fahl und das Haar struppig gemacht.

Gleichzeitig mit dem Hellwerden auf der Bühne kommt Schwester Irmgard mit dem neuen Zimmergenossen, Andreas Thal, herein.

Schwester Irmgard ist eine Ordensschwester, etwa fünfzig Jahre alt, kräftig und von enormer Grobschlächtigkeit. Die Pflege und Versorgung von kranken Menschen ist ihr nur am Rande ein inneres Anliegen; sie sind vielmehr zwangsläufige Begleiterscheinungen bei der Verwirklichung ihres vehementen Bedürfnisses, Patienten durch einen stringenten Prozess der Gesundung oder zumindest der Linderung zu führen. Schwester Irmgard  spricht einen herben Dialekt, am besten (je nach Vermögen der Darstellerin) sächsisch oder fränkisch.

Die ungewohnte Umgebung veranlasst Andreas Thal zu Aufmerksamkeit und Zurückhaltung; obwohl ansonsten kein schüchterner Mensch. Notgedrungen hat er sich unter die Leitung von Schwester Irmgard begeben, um bestmöglich in das Krankenhausdasein eingegliedert zu werden.

Irmgard:                       So, Herr Thal, jetzt kommen Sie mal herein in die gute Stube. Das ist die Dreiundzwanzig. Zweibettzimmer mit Bad, wie bestellt.

Andreas:                      Ah ja. (Kurz und freundlich zu Friedrich.) Guten Tag.

Irmgard:                       Das da ist Ihr Bett. Gerade eben fertig geworden. Stellen Sie ruhig mal Ihre Tasche gleich ab. (Zu Friedrich.) Ja, Herr Schmidthammer, nicht wahr, jetzt kriegen Sie wieder einen Neuen.

Friedrich:                      Hallo.

Irmgard:                       Ich stelle euch gleich mal vor: Das ist der Herr Schmidthammer. Der liegt schon ewig bei uns auf der Station. Hat ein fürchterliches Bein. Nicht wahr, Herr Schmidthammer, wird wohl noch ein bisschen dauern mit uns, aber wir kriegen das schon wieder flott.

Friedrich:                      Alt bin ich eben schon. Alt und verrostet.

Andreas:                      Ach, alles nur relativ. Thal.

Sie geben sich die Hand

Friedrich:                     Was?

Andreas:                      Thal heiße ich. Andreas Thal.

Friedrich:                     Ah ja, wie der Berg.

Andreas:                      Ja, fast. Nur mit einem H dazwischen.

Friedrich:                     T -h -al!

Andreas:                      Ja. Gut.

Friedrich:                     Schmidthammer. Wieder der Hammer vom Schmidt. Fritz. Wie der alte Fritz. Hähä.

Andreas:                      Ich denke, wir werden uns die Woche schon vertragen.

Friedrich:                      Ja.

Irmgard zu Friedrich:  Der Herr Thal, der hat's im Po. Im Po ganz drin, wissen Sie, gleich da, wo der Darm anfängt. Da hat er einen Knoten.

Friedrich:                      Ah!

Andreas ist dies peinlich.

Irmgard:                       Eine Hämorrhoide, wissen Sie. Die tut der Professor Sagmeister wegschneiden, und dann hat der Herr Thal keine Probleme mehr. In ein paar Tagen darf er schon wieder heim.

Andreas:                      Nicht so schlimm, denke ich.

Irmgard:                       Ja, also Herr Thal, jetzt ziehen Sie sich mal den Schlafanzug an, und dann komme ich zu ein paar Fragen. Und Temperaturmessen müssen wir auch.

Andreas:                      Ja.

Irmgard:                       Inzwischen kriegt der Herr Schmidthammer von mir eine Spritze. Nicht war, Herr Schmidthammer?! Die Zeitung legen wir jetzt mal auf die Seite und zeigen der Schwester Irmgard den Po.

Andreas geht zu seinem Bett, packt Kleidungsstücke, Waschutensilien sowie Bücher aus und zieht den Schlafanzug an.

Friedrich dreht sich unter Schmerzen leicht zur Seite, Schwester Irmgard rüstet während dessen die Spritze.

Irmgard:                       So, Herr Schmidthammer, sehr gut. Wieder nur ein kleiner Pieks.

Friedrich:                     Ja.

Irmgard spritzt:            Soooo. Fertig. Und wie geht's uns heute?

Friedrich:                      Naja, geht schon.

Irmgard:                       Was machen die Schmerzen im Bein?

Friedrich:                      Nicht so gut heute.

Irmgard:                       Es ist wieder eine rechte Plage mit dem Bein. (Wickelt den Verband vom linken Bein.) Was hat denn der Herr Professor gesagt? War er zufrieden?

Friedrich:                      Bäder! hat er gesagt.

Irmgard:                       Jaja, das ist nichts Neues. Diese Stelle sieht ja böse aus, Herr Schmidthammer. Böse. Da glaube ich gern, dass Sie Schmerzen haben, Herr Schmidthammer. Bäder! Ja natürlich machen wir Bäder! Da sagt der Herr Professor nichts Neues. Später, wenn die Susanne mit den anderen Zimmern fertig ist, setzen wir uns in das Fußbad. Bis dahin machen wir noch ein bisschen zu. (Verbindet das Bein.) So.

Friedrich:                      Au!

Irmgard:                        Jaja, das tut uns weh. Das denke ich mir schon.

Friedrich liest etwas in der Zeitung und döst schließlich ein.

Irmgard:                        So, Herr Thal, jetzt komme ich zu Ihnen.

Andreas ist kurz davor, in die Schlafanzughose zu schlüpfen und empfindet den Augenblick als ungünstig.

Irmgard:                       Wissen Sie schon den Kleiderschrank?

Andreas:                       Moment!

Irmgard sieht ihm zu: Nur keine falsche Scham, Herr Thal, die hat hier wenig Sinn!

Andreas:                      Bin schon fertig.

Irmgard:                       Na schön! (Öffnet die linke Tür des Kleiderschrankes.) Also, das hier ist Ihre Hälfte. Kleiderbügel sind da, notfalls sagen Sie mir Bescheid. Diese Hälfte gehört Herrn Schmidthammer. - Und da herüben ist das Bad. Können Sie später anschauen. - So, und jetzt gehen Sie mal ins Bett.

Andreas legt sich ins Bett.

Irmgard:                       Wir müssen ein paar Formalitäten erledigen. (Zieht eine dünne Hülle über ein Fieberthermometer.) Damit messen wir jetzt mal, ob Sie Fieber haben.

Andreas:                      Wohin?

Irmgard:                       In den Mund.

Andreas steckt das Thermometer unter die Zunge.

Irmgard füllt ein Formular aus: Also, Sie heißen Thal, Andreas. Weitere Vornamen?

Andreas, behindert durch das Thermometer: Johannes.

Irmgard:                       Geburtstag.

Andreas:                      17. Mai 1958.

Irmgard:                       Aha. Ein Runder. Nachträglich alles Gute! Jetzt geht's auf die Fünfzig zu.

Andreas:                      Dauert ja noch...

Irmgard:                       Das geht schnell, Herr Thal, das geht schnell. Namenstag?

Andreas weiß ihn nicht.

Irmgard:                       Wir sind ein katholisches Haus, Herr Thal!

Andreas:                      Tut mir leid, aber...

Irmgard:                       Der heilige Andreas ist am 30. November.

Andreas:                      Ja, da.

Irmgard:                       Wichtige Werte zerfallen, Herr Thal! Daran krankt unsere Gesellschaft! - Ihre Adresse steht hier auf dem Koffer, richtig? (Schreibt sie ab.) Ihr ehemaliger Stadtpfarrer ist hier auf dieser Station gestorben. Bald vier Jahre her. Ein feiner Mann. - Was ist Ihr Beruf?

Andreas:                      Händler. Musikalienhändler.

Irmgard:                       Ist das der Laden gleich neben der Pius-Kirche? (Nimmt das Thermometer aus Andreas' Mund und schreibt den Wert in das Formular.)

Andreas:                      Nein, der hat vornehmlich Compactdisks. Mein Geschäft ist in der Fußgängerzone.

Irmgard:                       Ach, Ihnen gehört der Laden, wo immer die Noten im Schaufenster liegen. Haben Sie auch Kombagtdischks?

Andreas:                      CD's sind zwar nicht unser Hauptgeschäft, aber wir haben welche.

Irmgard:                       Haben Sie auch den Bavaroddi? Oder den Domingo? Oder den Carrera? Die höre ich nämlich so gerne.

Andreas:                      Da haben wir schon was da.

Irmgard:                       Mein Papa hat eine Schallplatte gehabt, da war ein Chor drauf. Aus dem 'Rigoleddo'. Der Gefangenenchor, glaube ich.

Andreas:                       Sie meinen wahrscheinlich den Gefangenenchor aus 'Nabucco'.

Irmgard:                       Stimmt, aus 'Nabucco' war dieser Chor. (Singt.) Oh, wie so trügerisch...

Andreas:                      Das ist jetzt wieder aus dem 'Rigoletto'.

Irmgard:                       Ich seh schon, da haben wir einen echten Fachmann da herin.

Andreas:                      Das ist mein Beruf. Sie können dafür Spritzen geben. Das kann ich nicht.

Irmgard lacht:              Ja, da haben Sie recht, Herr Thal, da haben Sie recht. Und Pulsmessen. (Greift seinen Puls und schaut auf die Uhr.) Das hat der Liebe Gott schon gut eingerichtet. So. Alles normal. Passt alles, wir können operieren. Aber das wiederum macht der Herr Professor Sagmeister. (Lacht.)

Andreas:                      Ich hätte noch ein paar Fragen zur Operation.

Irmgard:                       Dafür kommt später noch die Assistenzärztin vorbei. Die Frau Doktor Plaschke. Die klärt Sie auch über die Risiken auf. Und der Anästhesist kommt auch noch. Ich bin dann mit Ihnen fertig, Herr Thal. Sie müssen mir jetzt nur noch sagen, welche Teesorte sie wollen. Wir haben Pfefferminze, Kamille, Lindenblüten und Malve.

Andreas:                      Eigentlich brauche ich gar keinen Tee.

Irmgard aufgebracht:  Herr Thal, ich sag Ihnen eins: Sie müssen ganz viel trinken! Sonst kommt Ihr Darm ins Stocken. Das Trinken ist das Wichtigste, gerade bei Hämorrhoiden. Sie kommen nämlich erst wieder heim, wenn Sie den ersten Stuhlgang hatten. Der ist die Nagelprobe.

Andreas:                      Dann bringen Sie mir bitte Pfefferminze.

Irmgard:                       Nehmen Sie das ja nicht auf die leichte Schulter, Herr Thal. Drei Liter, täglich! Ja? - Also Pfefferminze. (Sie packt ihre Sachen zusammen.) Das ist kein Witz, Herr Thal. Wir müssen sehen, ob die Operationswunde hält. Vorher können wir Sie nicht rauslassen. (Ab.)

Andreas klettert aus dem Bett und räumt seine Kleidung in den Schrank. Ein paar Bücher legt er auf sein Nachkästchen.

Friedrich ist wach geworden: Kriegst du jetzt deinen Tee?

Andreas:                      Ja. Vermutlich einen ganzen Kanister.

Friedrich grinst.

Irmgard kommt mit einer Thermoskanne zurück: Trinken, trinken, trinken, Herr Thal, das ist das Wichtigste! (Stellt die Kanne auf den Nachttisch.) So, das ist die erste Kanne. Ein Liter ist da drin. Trinken, trinken, trinken, Herr Thal. (Ab.)

Andreas sieht ihr nach und ärgert sich.

 

Zweites Bild 

Andreas' Bett ist leer, nur ein aufgeschlagenes dickes Buch liegt auf dem Federbett. Friedrich döst vor sich hin, starrt gelegentlich zur Zimmerdecke. 

Lange Stille.

Im Badezimmer rauscht die Toilettenspülung.

Andreas kommt aus dem Bad, ordnet seinen Schlafanzug, kriecht in sein Bett und liest.

Friedrich richtet sich auf: Was liest du da?

Andreas:                       Den 'Zauberberg'.

Friedrich:                      Ah, Thomas Mann.

Andreas freundlich:     Ich hatte Lust, mal wieder einen größeren Roman zu lesen. Ich denke, hier im Krankenhaus habe ich die nötige Zeit dazu.

Friedrich:                      Ja. Für sowas braucht man Zeit und Ruhe. Sonst kommt man draus. - Schön?

Andreas:                       Ich bin erst auf Seite vierunddreißig. Aber mir gefällt allein schon die Sprache von Thomas Mann.

Friedrich:                      Die 'Buddenbrocks' hab ich mal gelesen. Ist aber schon ziemlich lange her.

Andreas:                      Die habe ich auch schon gelesen. Tolles Buch.

Friedrich:                     Hat mir auch gut gefallen. Aber jetzt kann ich nicht mehr so viel lesen. Die Augen.

Andreas nickt mit Anteilnahme: Mhm.

Friedrich legt sich wieder zurück und döst weiter.

Andreas liest eine halbe Seite, klappt das Buch zu und greift zum Telefon.

Andreas:                      Hallo Frau Träger, ich bin's. Ist meine Frau in der Nähe? - Sie soll die Kundschaft fertig bedienen. (Wartet. Schenkt sich eine Tasse Tee ein; dann heiter.) Ich hoffe, du beginnst mich bereits zu vermissen. - Ach, du lügst! Du willst mich nur beeindrucken! (Lacht.) Nein, du brauchst heute nicht zu kommen, wenn es dir zu knapp wird. Es geht mir gut, und ich habe alles. Auch genug zu trinken. Schwester Irmgard hat ein scharfes Auge auf mich.

Friedrich richtet sich auf: Was?

Andreas:                      Silvia, du, ich bräuchte die Telefonnummer...

Friedrich:                      Wie hieß der Buddenbrock mit Vornamen?

Andreas am Telefon:   Moment, mein Zimmerkollege redet dazwischen. (Zu Friedrich.) Fritz, ich telefoniere!

Friedrich:                     Wie der Buddenbrock mit Vornamen hieß?

Andreas:                      Ich telefoniere mit meiner Frau!

Friedrich:                     Aber du hast doch gefragt, wie der Vorname...

Andreas:                      Thomas hieß er. Der Jüngere. Aber reden wir später weiter, ich telefoniere!

Friedrich:                     Achso, ja. (Legt sich zurück.)

Andreas am Telefon:    So, jetzt bin ich wieder da. Die Verhältnisse sind hier etwas schwierig. - Ich bräuchte die Nummer von Konrad in seiner Apotheke. Er muss die Noten vom Tschaikowsky-Streichquartett zu Pia bringen, damit sie mit dem Üben anfangen kann. - Ja, sobald ich wieder sitzen kann, fangen wir damit an. - Rechts vom Fax muss das Telefonverzeichnis liegen. (Schreibt mit.) ...48. Ja, ich hab's. 5 37 48. Danke. - Läuft alles normal? - Gut. - Morgen um zehn. Endgültig, hat Professor Sagmeister heute bei der Visite gesagt. - Ja, abends bin ich sicher aus der Narkose erwacht. Viel werde ich aber nicht von mir geben können. - Ja, ist gut. Eine Stunde hin oder her spielt hier ja keine Rolle. - Ja, also bis morgen. Servus. (Legt auf und beginnt wieder zu lesen. Kurz darauf unterbricht er; verärgert, weil er Harndruck verspürt. Er klettert aus dem Bett und verschwindet im Bad.)

Kurz darauf beginnt sich Friedrich zu regen. Er setzt sich auf und ertastet mit seinem gesunden Bein den Boden; das kranke Bein zieht er unter Schmerzen nach. Schließlich stellt er sich auf. Er wirkt entschlossen, im Grunde er jedoch hilflos und verwirrt; seinen Blick richtet er verbissen auf die Badtür.

Aus dem Bad ist die Toilettenspülung zu hören.

Friedrich wird von Schmerzen überwältigt. Er kann weder vor noch zurück. Er lässt Wasser. Das Nachthemd färbt sich, eine Pfütze bildet sich unter seinen Füßen.

Friedrich:                      Klo!

Andreas kommt aus dem Bad und erschrickt.

Friedrich:                      Klo. Muss aufs Klo!

Andreas:                       Nicht mit deinem Bein! Moment! Bleib so stehen! Bleib so stehen und beweg dich nicht! (Läuft zur Zimmertür.)

Friedrich:                      Muss aufs Klo!

Andreas:                       Ja, ist schon recht. (Nach draußen.) Hilfe! Herr Schmidthammer... (Bekommt Antwort. Zu Friedrich.) Setzt dich ganz vorsichtig wieder hin, Fritz! Ganz vorsichtig! (Hilft ihm ungeschickt.)

Friedrich:                      Muss aufs Klo!

Andreas:                      Du hast ein krankes Bein! Das geht nicht!

Einen Moment verharren sie wartend in einer unförmigen Stellung.

Andreas:                      Gleich kommt jemand.

Schwester Susanne kommt herein. Sie ist eine weltliche Schwester, jung und gelenkig, von frischer, feinfühliger Herzlichkeit. Letzteres kommt in Augenblicken der Zwischenmenschlichkeit mit überraschender Klarheit zur Geltung. Doch dieser Bereich ihres Wesens ist unzuverlässig, und deshalb wirkt Schwester Susanne insgesamt unausgegoren und pubertär. Ihre blühende Kräftigkeit ist in steter Gefahr, von der Alltagswelt überdeckt und erstickt zu werden.

Susanne:                      Ja, Herr Schmidthammer, was machen denn Sie?!

       
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