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Macbeth – Gwiss is nur, dass nix gwiss is

A wahnsinnig – lustige – schottisch-bayerische Gschicht

 Eine bayerische Komödie
von Roland Baier und Rolf Stemmle

Personen:
König Duncan                                                                      
Malcolm, sein Sohn
Macbeth
Lady Macbeth, seine Mutter
MacHuber, ein Edelmann
Ignaz, MacHubers Sohn
Gerti, Magd
Trudl, Magd
Lore, Magd
MacHardy, Mörder und Söldner
MacLaurel,  Mörder und Söldner
Oma Macbeth, Schwiegermutter der Lady Macbeth
Oma Macdussel, Mutter der Lady Macbeth
Bote/Knecht des Königs
Hexen
                                                                                             

Ort und Zeit:
Schottland mit bayerischer Färbung
um 1050

Aufführungsrechte beim Drei Masken Verlag
Manuskript zur Ansicht zu bestellen bei:
Drei Masken Verlag GmbH, Herzog-Heinrich-Straße 18, 80336 München
 
www.dreimaskenverlag.de

       

Wenn der König ruft, muss man folgen.
Also bricht der verhätschelte Muttersohn Macbeth auf, um Duncan beim Krieg gegen die Norweger beizustehen. Damit sorgt er unfreiwillig für Begeisterung bei den drei Mägden: Trudl, Lore und Gerti. Die können ihre Herrschaft nun mal gar nicht leiden und sind froh, wenn sie ihre Ruhe haben. Nicht zuletzt ihr Unwille, dem windelweichen Waschlappen wieder zu Diensten zu sein, veranlasst die drei auch, sich als Hexen verkleidet mit einer Vorhersage an den Kriegsheimkehrer Macbeth zu wenden. Doch der glaubt, was er hört und das Unglück nimmt seinen Lauf.
Eine witzige und kräftige Adaption des Shakespear'schen Stoffes ins Bayerische. Mit Musik garniert zündet diese Whisky- und Lammfleisch-seelige Königsmörder-Komödie in gewohnter Manier mit Witz und Verstand.

       
 

Textprobe 

1. Bild

Schottisch-bayerische Musik

Speisesaal im Schloss der Macbeths; Gerti, eine Magd, deckt den Tisch für Macbeth und

Lady Macbeth.

Gerti: (respektlos) Oamoi für eam – und oamoi für de ander. – A zwoats Moi für’n Gockel – und für sei Bruathenna, de

aufblosene. – A dritts Moi für’n Gloife vom Schloss – und dem Dracha vom Schloss.

Trudl, die zweite Magd, kommt herein.

Trudl: Du, Gerti, wo is’n er?

Gerti: Der werd glei kemma.

Trudl: Woaßt, drauß im Hof wart a Bote. Es dad pressiern hod er gmoand, a wichtige Nachricht.

Gerti: I richt’s eam aus.

Trudl will gehen.

Gerti: Trudl! Konnst’n ja scho amoi rauflassn.

Trudl: Mach i! (ab)

Gerti: A Bote mit na wichtign Nachricht, pressiern dad’s, sogt’s. Werd doch nix passiert sei.

Macbeth kommt herein. Er trägt ein Schwert sowie ein Kettenhemd.

Macbeth: D’Mama kummt glei!

Gerti: Soi i dawei s‘Essen warmstejn?

Macbeth: Braucht’s ned, de griagt grad ihr Kraitermaskn.

Gerti: Scho wieder!

Macbeth: Wos hoaßt do scho wieder? Dees geht di an Scheißdreck o, wos d’Mama macht, und wenn sie sich 5 moi am Dog den Batz in d’Lätschn schmiern lasst, dann werd dees schweigend akzeptiert und ned diskutiert! Host mi!?

Legt das Schwert am Tisch ab.

Gerti: Dees Schwert kommt vom Tisch oder (hochdeutsch) möchte er den Braten ein weiteres Mal erlegen! Und zum Essen ziang ma aber s‘Kettenhemd aus, gej, sunst schimpft d’Mama wieder.

Macbeth: Ja, dann steh ned so bläd umanand und huif ma. So a  Kettenhemd ziagt se schließlich ned von alloa aus.

Gerti hebt Macbeth aus dem Stuhl und geht ihm beim Entkleiden zur Hand. Danach zeigt er

Gerti seinen verletzten Daumen.

Macbeth: Do schau, do hob i mi beim Schwertkampf grissn.

Gerti: Immer diese Kampfspielchen.

Macbeth: Von so wos hod a Magd koa Ahnung. Man muaß auf’n Kriag vorbereitet sei, boi amoi oaner kummt. (hält ihr den Daumen hin) Duast mir a Soim drauf bevor i verbluat.

Gerti: Aber z’erst miaß ma de Kampfverletzung a wenig mit Whisky auswaschn. (holt eine Flasche)

Macbeth: Aber ned den guadn, gej, nimm den billigen für de Gäst!

Gerti: Zähn zsambeißn, glei brennt’s!

Gerti nimmt einen Schluck Whisky in den Mund und spuckt ihn auf den Finger.

Macbeth: Au! Du dumms Luader, dees is de Hand von deim Herrn!

Gerti fängt an den Daumen zu verbinden.

Gerti: Erstens is dees nur da Dauma und ned d’Hand und zwoatns, wer in den Kriag ziang wui, der derf ned wehleidig sei.

Während des folgenden Dialogs wickelt Gerti einen Verband um den Daumen.

Macbeth: I mog doch gor ned in den Kriag ziang. I bereit mi nur drauf vor.

Gerti: Und i bin koa „dumms Luada“ ned.

Macbeth: Ned? Und wos glaubst du dann, wos du bist?

Gerti: A Dame!

Macbeth: Damisch bist, sunst nix!

Gerti zieht ruckartig den Verband und wickelt weiter.

Macbeth: Au! – Moanst ned dees is a weng vui Verband?

Gerti: Na, dees passt scho! Ned dass da Herr no verbluat. Gefallen auf dem Schlachtfeld, für König und Vaterland, von am Strohpupperl getötet.

Macbeth setzt sich.

Macbeth: Wos gibt’s denn zum Essen?

Gerti: Schofsbrodn mit Gmias! (beiseite) Und ohne Kraiter, de hod a anders Schof in da Lätschn.

Macbeth: Oh mei, scho wieder. Immer nua Schof. (setzt sich zu Tisch) Kennts es depperten Weiber in da Kuchl nix anders?

Gerti: Schof is am billigstn. Wenn de Herrschaften ned so vui Gejd für „Repräsentation“ aus’m Fenster schmeißn dad‘n und dafür mehr in d’Haushaltskasse, na kunnt ma aa anders.

Macbeth: Repräsentation is wichtig, do zoagt ma nach außn wer ma is!

Gerti: (beiseite) Oder sei mächert!

Macbeth: Es kost hoid wos, wenn man zur High Society von Schottland ghört.

Gerti setzt sich gegenüber von Macbeth an den Tisch.

GertI: Und wia waar’s, wenn ma amoi statt bläder Kampfspielchen, auf d’Jagd gangerten. D’Küch dad se aa über an Hirsch oder an Hosn frein.

Macbeth: Erst neile hob i a Gans brocht!

Gerti: Respekt, a ganze Gans, sejbst erlegt.

Macbeth: Gerti, du werst ma immer frecher, wennst dei scharfe Goschn ned im Zaum hoidst, werst amoi a poor fanga. Oiso pass auf, host mi.

Gerti: An Guadn, äh und übrigens, a Bote dad draußn wartn.

Gerti geht kurz ab und bringt den Schafsbraten.

Macbeth: Der soi wartn. I bin jetzt beim Essen.

Lady Macbeth tritt ein. Sie hat ein sehr herrschaftliches Benehmen.

Lady Macbeth: (streng) Ah, du bist scho do.

Macbeth: Hob scho moi ogfanga, Mama, hob ja ned gwusst, wia lang dei Maskn no ziang muaß.

Lady Macbeth: Wos woaßt du überhaupt? (setzt sich und betrachtet ihren Teller) Scho wieder Schof!

Gerti: D’Haushaltskasse is fast scho wieder leer und wir ham erst den Dreizehnten.

Lady Macbeth: A guade Wirtschafterin erkennt man dro, wia sie sich nach da Decken strecka ko.

Gerti: Egal wia i mi nach da Decka streck, es kummt koa Hirsch in Kuchl glafa.

Lady Macbeth: Jetzt hoid dei freche Goschn und bring mir mei Essen.

Gerti geht leise fluchend ab und bringt das Essen.

Lady Macbeth: Draußn sitzt a Mo. Kennst du den?

Macbeth: Dees werd der Bote sei.

Lady Macbeth: Wos für a Bote?

Macbeth: Wos woaß i, a Bote hoid, Gerti hod’s mir gsogt.

Lady Macbeth: (vorwurfsvoll) Und du lasst den do draußn rumsitzn?

Macbeth: Freile, i iss ja no.

Lady Macbeth: Gerti, hoi den Boten rei, aber schneller wia sunst!

Gerti geleitet den Mann in den Raum.

Bote: Griaß God! I wünsch an guadn Appetit!

Lady Macbeth: Danke! Es könnts nachher mit unserm Gesinde wos vom Gmiaß essn. (zu Macbeth) Woin uns ja nix nochsong lassn.

Bote: Dank scheen. (beiseite) Aber i hob heit scho gschbiem.

Lady Macbeth: Doch sog, wer schickt di?

Bote: König Duncan, Mylady.

Macbeth und Lady Macbeth fällt das Besteck aus der Hand und springen auf.

Macbeth und Lady Macbeth: König Duncan!

Lady Macbeth: (zu Macbeth) Und du lasst den Mo so lang warten. Gerti, und du bringst dem Herrn danoch was anständigs zum Essen. (zum Boten, deutet auf das Essen) Mia macha nämlich zur Zeit a Schafsdiät.

Bote: I soi eich song, dass unserm Königreich Schottland grod a wenig arg d’Luft ausgeht. D’Norweger san eigfoin und in a poor Ecken vom Land zündelt scho die Rebellion.

Macbeth: Ja, saxendi!

Lady Macbeth: Dees hoaßt: Da Kini braucht mein Buam!

Bote: So schaugts aus!

Macbeth: Aber, aber da Kini hod doch scho gnua Heerführer.

Lady Macbeth: Es is a Ehre für mein Buam, wenn er für’n Kini in d’Schlacht ziang derf.

Macbeth: Aber!

Lady Macbeth: Nix aber, und jetzt isst erst amoi auf!

Macbeth: Aber!

Lady Macbeth: Nix aber, und nach’m Essen putzt dir schnej no Zähn und dann brichst auf.

Bote: Große Schlachten wern zum schlong sei.

Macbeth: Aber, aber …. Mama!

Lady Macbeth: Nix aber, werst scho sehn, dees werd dir Spaß macha. Dees is a Riesngaudi. – Gerti, zoag dem Herrn sei Bettstatt und bring eam dees Beste wos Kuchl zu bieten hod, und ab moing a Gedeck weniger.

Gerti: Jawohl Madam! (zum Publikum) Heid gibt’s dees Menü: Ogebn wia a Steing voi Affn mit am Hirsch aus Luft, gefüllt mit nix und dazua a Portion gornix.

Gerti bringt den Boten nach draußen.

Macbeth: Du Mama, muaß i jetzt wirkle in den Kriag?

Lady Macbeth: Du muaßt ned, du derfst!

Macbeth: Mog aber ned!

Lady Macbeth: Herrschaftszeiten, Bua, jetzt reiss di amoi zsam. Du werst ma scho so a Jammerlappen sei. Du konnst di ned immer nur mit deine Pupperl im Hof spuin, irgendwann muaßt zoang, wos’d drauf host. In dir steckt a großer Held.

Macbeth: A Scheißdreck steckt in mir, bin koa großer Held ned.

Lady Macbeth: Freile bist oana, glab mas. Moanst du vielleicht, dass man über‘n Siegfried Liada singa dad, wenn der nur dahoam am Rockzipfe von da Mama ghengt waar. Ganz gwiss ned. Der hod sein Orsch aus da Tür rausgschobn und hod an Dracha umbrocht. Und über di werd man aa moi Liada singa. Dees spür i. In dir steckt a aa kloana Siegfried. Du host Königsqualitäten.

Macbeth: So a Schmarrn, Kini werd gwies amoi da Malcom, weil er ja aa da Bua vom Kini is.

Lady Macbeth: Gwiss is nur, dass nix gwiss is! (Macbeth ab)

Tango (ähnlich wie „La Cumparsita“) Lady Macbeth singt:

1.)

Mei Bua, wia soi i dees bloß song

bin scho a wengerl mit eam gschlong

i hob eam liab, dees is koa Frog

doch manchmoi is a rechte Blog

Ref:

Doch mei Mutterherz, dees sogt ma

lassn ziang sonst bleibt er hocka!

2.)

Mi’m Denga hod er’s aa ned so

stejd se wia a Hund zum Scheißn o

koan Weitblick hod er, dees is gwies

drum hob i aa a so a Gschiss

Ref:

Doch mei Mutterherz, dees sogt ma

lassn ziang sonst bleibt er hocka!

3.)

Drum geh und mach dei Mama stoiz

du bist aus am ganz andern Hoiz

zum Mo macht de da Krieg soglei

und Schluss is mit da Alberei.

 

2. Bild

Küche und Arbeitsraum der Mägde, bestehend aus 4 Schemel; Gerti, Trudl und Lore sind bei

der Arbeit –Gemüse putzen, flicken, Geschirr polieren oder Ähnliches– Bote löffelt aus einer

Schale Gemüsebrei.

Gerti: (zum Boten) Schmeckts?

Bote: Passt scho!

Gerti: Der Hirsch is mir leider vor’m Schlachten ausbixt!

Bote: Scho recht!

Gerti: Und dees restliche Schof aa.

Bote: Macht nix!

Gerti: Gmias is ä gsünder.

Bote: Wenns’d moanst.

Pause.

Lore: Und wia ist da Kini so?

Bote: (verwirrt) Ha?

Lore: Ja, wia er hoid so ist?

Bote: Meistens isst er mit Messer und Gobe.

Lore: Na, dees hob i ned gmoand. I moan, wia er so ist.

Bote: Ja mei, mit de Zähn hoid.

Trudl: D’Lore moant, ob er anständig mit dir umgeht.

Bote: Scho.

Gerti: Sogt er ned manchmoi „bläder Depp“?

Lore: oda Hirndübel?

Turdl: oda Vollposten?

Gerti: zu dir oder wos anders gschärds?

Bote: Na.

Lore: Mei host as du guad.

Bote: Und bsonders guad gfoid ma an eam, …

Gerti, Trudl und Lore: Ja?

Bote: …dass er ned vui frogt.

Gerti: Ja, dann bring i di moi zu deiner Bettstatt.

beide ab.

Lore: Dees werd ma scho so a Stoffe sei!

Trudl: Scho, aber mit seim Herrn hod er’s guad dawischt.

Lore: Muaß a wirkle nobler Herr sei, da Kini.

Trudl: Der sitzt ganz oben und hod de Aufschneiderei gor ned nötig.

Lore: Do konnst scho recht ham.

Gerti kommt zurück.

Gerti: Der hod sei Mei aa ned aufbracht.

Lore: Ja, gesprächig is aa wos anders.

Trudl: Aber an Herrn hod er, der guad zu eam is.

Lore: Ned so wia da unsrige, der gscherde Hamme.

Gerti: Wos der mi heid scho wieder ghoaßn hod. Am liabsten waar i eam mi’m nackerten Orsch ins Gsicht ghupft.

Lore: Und sei geliebte Frau Mama is aa um koan Deut ned besser.

Sie arbeiten weiter und beginnen zu singen: „Rüben schälen, Äpfel schneiden“.

Lied „Negeraufstand ist in Kuba“ Gerti, Trudl und Lore singen:

1.)

Rüben schälen, Äpfel schneiden

Rüstung ölen, Herrn rasieren

Lady jeden Morgen kleiden

und vor allem gut parieren

Böses Grede überhören

Fluchen, Schimpfen allweil schlucken

Treueeide artig schwören

Und ned meckern und ned mucken

Ref:

Ja so is as Leben

Ja so is as Leben

Ja so is es bei Macbeth

2.)

Macbeth is a gscherta Lackl

hod koa Herz und koan Verstand

is se selbst am aller nächsten

frisst da Mama aus da Hand

Kennt nur schreien, kennt nur schimpfen

alles muaß se um eam dran

hod vo nix a echte Ahnung

red an ganzn Tag nur Schmarrn

Ref:

Ja so is as Leben

Ja so is as Leben

Ja so is es bei Macbeth

3.)

Doch sei Muadda is no schlimmer

moant sie is a Frau vo Wejd

is a foisches Frauenzimmer

hod im Kopf nur Macht und Gejd

Für d’Karriere geht’s über Leichen

a jedes Mittel is ihr recht

Drum is besser auszweichen

weil sunst geht’s da wirklich schlecht

Ref:

Ja so is as Leben

Ja so is as Leben

Ja so is es bei Macbeth

GertI: Es muaß wos passiern.

Trudl: Wos soi passiern?

Gerti: Mi’m Macbeth muaß wos passiern, so ko dees nimmer weitergeh.

Trudl: A geh, Gerti. Schau her, du bist a Magd, Lore is a Magd und i bin aa nur oane. Mia kennan dees Mannsbuid ned ändern.

Lore: Der war, is und werd ewig a Depp bleim.

Trudl: Der werd si bis zum St. Nimmerleinsdog so aufführn ois ob er da Kini waar.

Gerti: Do host scho recht, an Gentleman wern ma ned aus eam macha, aber mia kanntn eam so leffen, dass zumindest mia unser Gaudi dro ham.

Lore: Ui ja, a Spaß waar scho wos gspaßigs.

Trudl: Und wia wuist dees ostejn?

Gerti: Mia lassn eam glam, dass er der nächste Kini werd.

Trudl: (sarkastisch) Dees kaft der uns sofort ob, logisch.

Gerti: Uns vielleicht ned, aber drei Hexen glabt er dees gwiss.

Trudl: Welche Hexen?

Gerti: Hexen hoid!

Lore: Dees is guad. Mia spuin drei Hexen und prophezeien eam dees.

Gerti: Er wart und wart, blaad si immer mehr auf, bis‘s eam zreißt.

Lore: Mitsamt seiner Muada, der oiden Schreckschraum.

Trudl: Dees funktioniert nia.

Gerti: (Trudl ignorierend) Dann hockt er do, zuzelt am Busen seiner Muada und sogt: Du Mama, wann werd i jetzt endlich Kini, so wias mir de Hexen prophezeit ham?

Lore: Und sie werd dann song: A bisserl herwarten muaßt scho no, aber gwiss nimma lang. An Kini geht’s aa scho nimmer guad. Arg schlecht schaut er aus.

Gerti: Und wenn da oid Kini dann gstorbn is und da neie Kini, da Malcolm werd, foid eana d’Lätschn bis zu de Kniascheim owe.

Lore: Sie trifft dann da Schlog und da arme Bua hod nix mehr zum Zuzeln.

Gerti: Mei dees werd a Gaudi.

Trudl: Na hoffentlich.

 

3. Bild

Wald

Macbeth und MacHuber treten auf

Macbeth: Jetzt san uns auf de letzten poor Meter aa no d’Pferd verreckt.

MacHuber: Ja mei, de ham a vui mitgmacht.

Macbeth: Mia ham aa vui mitgmacht und verrecka aa ned vor’m Zui.

MacHuber: Du host doch jetzt gwiss an Hunger?

Macbeth: Wos hod uns denn d’Fejdküch eipackt?

MacHuber schaut in den Rucksack.

MacHuber: Brezen, an Kas, Radieserl und Dosenweißwürst vom Aldi.

Macbeth: Na, lass guad sei. Dees nimm i liaba mit Hoam, do gibt’s dann ä nur wieder Schof und weit is‘s ja aa nimma. Nur no durch den Woid do drübn und dann seng ma aa scho mei Castle, mei Home. Und d’Mama sig i dann aa wieder. Mei de werd si gfrein, wenn i hoam kum, auf ihren Helden.

MacHuber: Woass si’s aa scho, dass da Kini mitsamt seim Tross heid no kimmt und übernachten werd?

Macbeth: Hob ihr ois scho gschriebn.

MacHuber: Aa, dass di da Kini zum „Gefolgsmann des Königs“ gmacht hod?

Macbeth: (stolz) Ja, dees aa. – Bist mir aber ned neidig auf mein Titel?

MacHuber: Freile ned. Host‘n dir ja schließlich aa verdeand.

Macbeth: Dei Bua is doch aa im Tross vom Kini, gej?!

MacHuber: Ja, heid Abends do sieg i’n wieder. Gfrei mi scho narrisch.

Macbeth: Siegst, dees host du mir voraus. I hob immer no koane Erben, obwoi mia wirkle hart dro arbaten. Koa Gelegenheit lass ma aus, außer wenn d’Mama Migräne hod.

MacHuber: Do konnst nix macha, s‘letzte Wörterl hod immer no d’Mutter.

Macbeth: Stimmt!

MacHuber: Mutter Natur!

Macbeth: I glab ned, dass dees wos mit der Natur zum doa hod. (verängstigt) I glab eher, dass do irgendwejche höheren Mächte ihre Finger mit im Spui ham. Geister oder Schattenwesen.

MacHuber: Ah, Wechseljahre!

Macbeth: Es gibt Sacha zwischen Himmel und Hölle, de san ned zum daglam.

MacHuber: I glab ned so ans Esoterische. (packt zusammen) Kumm, pack ma‘s.

Macbeth: Vielleicht host ja Recht. D’Mama sogt aa immer, dass i z’abergläubisch bin. Obwoi i manchmoi moan, es kannt aa am Schofsdarm ling.

MacHuber: An wos für an Schofsdarm?

Macbeth: Ja den, den mir d’Mama immer zuvor drüberziagt.

MacHuber: (entsetzt, ungläubig) An Schofsdarm?!

Macbeth: Ja, und vorher machts immer an Knoten nei.

MacHuber: Und für wos soi dees guad sei?

Macbeth: Zwecks da Hygiene, moant’s.

MacHuber: Du, von so wos hob i koa Ahnung. Woasst ja ä! Bei uns im Mittelalter is Hygiene und Aufklärung a Fremdwort. Mei Weibe hod sowos no nia von mir verlangt und mia ham unsern Ignaz griagt. (schaut zum Himmel) Kumm, pack ma’s, a Gwitter ziagt auf.

Macbeth: Na ja, d‘Zeit werd’s scho bringa.

MacHuber: I woaß ned ob dees d’Zeit bringt, denn d’Zukunft is aa nimmer dees wos amoi war.

 

4. Bild

Wald

Blitz und Donner, Musikfetzen werden vom Wind her geweht. Gerti, Lore und Trudl kommen als Hexen verkleidet. Trudl trägt ein altes Buch, Lore eine Whiskeyflasche und Gerti eine Blechdose.

Lore: Ausgrechnet heid muaß er vom Kriag hoam kemma. Wo i doch so vui Angst vor’m Gwitter hob. (trinkt vom Whisky)

Gerti: Dees passt scho. Für an Hexensabbat is dees dees Richtige Ambiente. (nimmt von Lore die Flasche und trinkt auch)

Lore: Am End kemma wirkle no Hexen. (nimmt Gerti die Flasche ab und trinkt)

Trudl: Sauf ned so vui, de hoibe Whiskyflaschn is scho laar.

Lore: Dees brauch i jetzt oafach, dees is mei Nervennahrung! (trinkt)

Gerti: Mia warn do, jetzt fejd nur no da Macbeth.

Trudl: Und wenn er an andern Weg nimmt, oder ned aloa is?

Gerti: Glab mas: Mia schaffen dees! (Merkelraute)

Trudl: Wennst moanst: Mia schaffen dees! (Merkelraute)

Lore: Freile: Mia schaffen dees! (trinkt)

Trudl: (liest in ihrem Buch) Ratzenfuaß und Krötenhaxn, Schlangenbruad und Koboldflaxn. Koch daraus an dicken Brei, Punkt Mitternacht muaßt fertig sei.

Gerti: Und dees is dann de neie Gsichtscreme von da Lady Macbeth.

Alle lachen albern.

Lore: Wo host denn du eigentlich dees Buach her?

Trudl: Von meiner Muadda.

Lore: War de a Hex?

Trudl: Schmarrn, de hods vo ihrer Muadda, oiso meiner Oma.

Lore: Aber de war a Hex?

Trudl: Na, de hod’s von ihrer Muadda.

Lore: Und war de oane?

Trudl: Lore i woass’s ned, und i glab aa, es gibt gor koane Hexn. Und wenn’s amoi or gebn hod, dann san de scho längst, mit freundlicher Unterstützung von da Kircha, ausgestorbn.

Lore: Dei Wort in Gottes Ohr!

Trudl: Koa Angst, i lies dees nua, dass mia a wenig in Stimmung kemman.

Lore: Bin scho voll in Stimmung. (trinkt)

Trudl: Froschgedärm und Eitersaft geben dir viel Zauberkraft, Mäusekot und Spinnenbluad …

Gerti: Jetzt hör amoi wieder auf, Trudl es reicht scho!

Trudl: Männerherzen wehrn sich nicht, wenn man ihnen Sex verspricht.

Gerti: Dees hod jetzt aber nix mit Zauberei zum doa.

Lore: Trudl jetzt mach dees Buach zua, mir is ä scho ganz schlecht.

Gerti: De Götter hörn so wos ned gern.

Trudl: (schließt das Buch) Dees ko ned sei: Ihr glabt an so an Grampf?

Lore: Schmarrn, so an Scheißdreck glab i ned. (trinkt)

Gerti: (sieht etwas in der Ferne) Schaut’s, do kummt wer. I glab dees is er.

Trudl: Dees is er ganz sicher, aber schaut’s, er is ned alloa.

Gerti: Den kenn i, der war scho moi bei uns.

Lore: Freile, dees is da MacHuber. A Spezl von eam. (winkt ausladend) Juhu, do san ma.

Gerti und Trudl halten ihr den Mund zu.

Trudl: Bist narrisch, hernoch sehns uns no.

Lore: Aber dees war doch der Plan.

Gerti: Dees scho, aber ned so.

Trudl: Oiso Mädels, auf geht’s beim Schichtl.

Sie setzen ihre Hexenhüte mit angenähten Haaren und Sonnenbrillen auf, Lore hat den Hexenhut verkehrt auf – Haar vorm Gesicht – hüpfen herum und machen wilde Bewegungen, Lore torkelt nur noch.

Hexenlied: Kummt‘s es Geister, kummt’s nur her setzt’s eich her, dann san ma mehr De Zukunft wui mit Wucht und Graus aus unsre Kragerl laut heraus Es Geisterwesen steht’s uns bei bei unsrer wuidn Hexerei.

Währenddessen kommen Macbeth und MacHuber und beobachten das Ganze.

MacHuber: Wos san denn dees für gspinnerte Weiber?

Macbeth: I glab dees san Hexen.

MacHuber: Hexen! So a Schmarrn, bsuffa san’s, sunst nix.

Macbeth: Na, na, de beschwörn grad Wesen aus da Schattenwejd.

MacHuber: Ja, an Schattn hams gwiess aa. (tippt sich auf die Stirn)

Gerti: He, ihr zwoa!

Macbeth: Wer? Mia?

Gerti: Na, de neba eich!

Macbeth schaut sich ängstlich um.

Macbeth: Do is ja gor koana.

Lore: Hui, san scho wieder weg.

MacHuber: Und mia aa! (zu Macbeth) Kumm geh ma! (wollen gehen)

Lore: Hoit, hoit, hoit, es seids aber zwoa ganz zwoa Hübsche. Hobt’s ihr aa an Nama?

MacHuber: I bin da MacHuber und dees is da „Gefolgsmann des Königs“.

Gerti: Ha, da wer is er?

Macbeth: Macbeth, „Gefolgsmann des Königs“.

Trudl: Ja mi leckst am Orsch, wia host denn dees gschafft?

Lore nimmt sich die Blechdose und schüttelt sie wild.

MacHuber: Wos hod denn de für a Kraut graucht?

Macbeth: (erklärend) Do steckt a Prophezeiung in der Bixn und de mog jetzt raus!

Gerti: Auf so an Scheiß muaßt erst moi kemma.

Macbeth: Ha?

Trudl: Sie hod gmoand: Besser hätt’s es aa ned erklärn kenna.

Gerti nimmt Lore die Dose und schüttet den Inhalt (Runen) auf den Boden. Lore kniet sich hin und lässt die Hände über den Runen kreisen und gibt komische Laute von sich.

Lore: I sieg – I sieg

Macbeth: Ja wos siegst denn?

Lore: I sieg Macbeth,…

Gerti: Gefolgsmann des Königs

Lore: … den Gefolgsmann des Königs!

Macbeth: Oiso dees is jetzt wirkle koa Kunst. Steh ja genau vor dir.

Lore: Er sitzt nackert in da Bodwanna mit na oidn runzligen Kartoffe!

Macbeth: A runzlige Kartoffe?

Gerti: Dei Mama wahrscheinlich.

Lore: Und auf seim Haupt trogt er a Krone.

Gerti: A Krone!

Macbeth: (freudig) A Krone!

Lore: Und der oide runzlige Kartoffe

Gerti: Oiso dei Mama! (zu Macbeth)

Lore: spuid grod mi‘m Kini sein kloanan schrumpligen ….

Tudl hält Lore den Mund zu.

Trudl: Danke, dees reicht scho, mehr braucha mia gor ned wissen.

Gerti: A Hoch auf unsern künftigen Kini!

Macbeth: (euphorisch) I werd amoi Kini!

Trudl: Auf Macbeth …

Lore: Prost! (trinkt)

Trudl: … unserm künftigen Kini.

Lore packt MacHuber am Kragen.

Lore: Und weilst scho grod do bist, griagst aa a Prophezeiung.

MacHuber: Na, danke dees braucht’s ned.

Gerti und Trudl wollen Lore wegziehen. Lore hält sich weiterhin fest.

Trudl: So jetzt pack ma’s. Host ja ghört, dass er dei Prophezeiung ned braucht.

Lore: Doch, weilst so scheene blaue Augn host.

MacHuber: De san braun!

Lore: A wurscht, aber schee sans trotzdem.

Gerti: (verlegen zu MacHuber) Sie is farbenblind.

Lore: Echt, seit wann?

Trudl: (zu Lore) So jetzt langts aber wirklich.

Gerti und Trudl ziehen Lore von ihm weg.

Gerti: Spinnst jetzt ganz, lass den Mo in Ruah.

Lore reißt sich los und läuft wieder zu MacHuber.

Lore: Du bist zwar a Kloana, aber dafür a ganz a Großer.

MacHuber: Na ja, so groß is er aa wieder ned.

Lore: Bist ned beglückt, aber glücklich.

Trudl und Gerti ziehen sie von MacHuber weg.

Lore: Bist zwar koa Kini, werst aber welche zeugen.

Trudl und Gerti schleifen Lore von der Bühne.

Macbeth: Wos hod de gsogt? Du werst an Kini zeugen?!

MacHuber: An Schmarrn hod’s verzapft.

Macbeth: Moanst wirkle?

MacHuber: Ja freile, mit wem soi denn i an Kini macha?

Macbeth: Vielleicht host ja scho oan gmacht.

MacHuber: Da Ignaz? So a Schmarrn, der werd genauso wenig Kini wiast du oana werst. Bis jetzt is no immer an Kini sei Bua, da Kini worn, und so werd’s aa bleibn.

Macbeth: Host recht, wer sunst außer da Malcolm.

MacHuber: Und jetzt pack mas, ham scho gnua Zeit mit dem Blädsinn verplempert.

Beide ab, die „Hexen“ kehren zurück. Gerti und Trudl reden auf Lore ein.

Gerti: Ja sog amoi, di hod’s doch vom Boa weg!

Trudl: Wia soi bittscheen da Bua vom MacHuber Kini werdn?

Lore: Ja mei, dees is mir hoid so eigfoin.

Trudl: Im Rausch!

Lore: I hob doch überhaupt koan ….

Gerti: Na, überhaupts ned. Du bist so voi wia a Dudlsack.

Trudl: MacHuber der Königsmacher. Da Macbeth werd eam deszweng hassen.

Gerti: Do ham ma fei jetzt gscheid mi’m Feier gspuid.

Lore: I find, dees war a Riesngaudi!

Gerti und Trudl schleppen Lore ab.

Gerti: Pack mas, mia miassn hoam!

(ab)

 

       
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