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Luzifers Nöte
mit der Demokratie und der Autobahn

 Eine Tragikomödie in 17 Bildern
von Rolf Stemmle

Personen:
Luzifer, König der Hölle
Abraxe, seine Frau
Rüdiger Blume, ein Künstler
Dr. Walter Köhler, ein Manager
Sabine, seine Frau
Ranzig, Diener und Vertrauter Luzifers
Mephistera, Freundin Abraxes
Beelzebine, Freundin Abraxes
Vampirella, Freundin Abraxes
Schmierig, ein Pfortenteufel
Bonifazius, ein Pfortenengel
Bettina Jacobi, Tanztherapeutin
Draculine, Luzifers Masseuse
Salzig, Moderatorenteufel
Krätzig, Wahlhelferteufel
Ein Dienerteufel

Ort und Zeit:
Die Hölle; Gegenwart

Aufführungsrechte beim Plausus-Verlag
Manuskript zu bestellen unter
www.plausus.de

       
 

Der etwas schrullige Höllenkönig Luzifer muss erfahren, dass moderne Sünder anspruchsvoll sind: Sie brauchen Bespaßung, um nicht auf dumme Gedanken zu kommen. Ein frisch-verstorbener Automobil-Manager verschafft Luzifer eine Autobahn mit Sportwägen, auf der sich die Sünder die Zeit vertreiben können. Doch damit macht sich Luzifer auch abhängig von diesem Herren. Der schärfste Gegner des Managers (auch Geliebter seiner Gattin!) ist der aufrechte Künstler Blume. Dieser kann Luzifer die Demokratie schmackhaft machen – aber nur, weil Luzifer hofft, auf diese Weise als moderner Diktator seine Macht sichern zu können. Ein erbitterter Kampf um gewissenlose Macht und gesellschaftliche Ideale entbrennt – bei dem übrigens auch der höllische Esoterikverein mitmischt.
Spannende, tragikomische Gesellschaftssatire!

       
 

Textprobe 

Erstes Bild 

Luzifers Schlafzimmer.

Links steht das Doppelbett von Luzifer und Abraxe, rechts ein Frühstückstisch. Eine Tür im Hintergrund führt in Luzifers Vergnügungskabinett, eine weitere Tür an der rechten Seite in den Vorraum.

Luzifer schläft.

Der Wecker klingelt.

Luzifer stöhnt, wendet sich und schläft weiter.

Es klopft. Nachdem Luzifer nicht antwortet, schleicht Ranzig mit dem Frühstückstablett herein. Ranzig ist ein älterer, nobler Dienerteufel.

Ranzig:                         Majestät! Majestät darf ich Euch darauf aufmerksam machen, dass der Wecker geklingelt hat.

Luzifer schlaftrunken: Wieso?

Ranzig:                         Ein neuer, höllischer Tag hat begonnen. (Deckt das Frühstück auf.)

Luzifer:                         Wo ist Abraxe?

Ranzig:                         Sie stand bereits vor einer Stunde auf und ging vor kurzem aus dem Palast.

Luzifer abfällig:          Vermutlich trifft sie sich wieder mit ihren Freundinnen!

Ranzig:                         Ihr habt eine äußerst aktive Frau.

Luzifer:                         Abstoßend ist das! Als ob es nicht genug wäre, die Gattin des Königs zu sein. Schön-Sein reicht da völlig aus.

Ranzig:                         Ich habe das Frühstück gebracht, Majestät.

Luzifer kriecht aus dem Bett: Da sieht die Welt gleich ganz anders aus. Was gibt es?

Ranzig hilft Luzifer in den Morgenmantel: Schwarzbrot mit Grüner-Paprika-Marmelade und Pfeffertee, dazu ein paar Peperoni.

Luzifer:                         Phantastisch, Ranzig! Du weißt, wie du mich gut in den Tag bringst.

Luzifer setzt sich an den Frühstückstisch.

Ranzig mit Unterton: Ihr werdet Kraft für den heutigen Tag benötigen.

Luzifer:                         Drohe mir nicht schon wieder so unterschwellig mit irgendwelchen schlechten Nachrichten! Sag mir lieber, welche Audienzen heute anstehen.

Ranzig:                         Ein Vertreter von der Erde möchte Euch ein paar neue Folterwerkzeuge vorstellen, ein Sünder hat auf Euch einen Hymnus geschrieben, den er vortragen möchte, und ein Unternehmensberater hat Vorschläge, wie man die Hölle umorganisieren und zur Aktiengesellschaft umwandeln könnte.

Luzifer:                         Der Unternehmensberater soll für einen Monat auf täglich zwei Stunden Folter gesetzt werden, die anderen Beiden werde ich empfangen – das sind angenehme Dinge, und mit denen will ich mich bescheiden. Davor und danach gehe ich in mein Vergnügungskabinett, und dann spiele ich mit Polizeichef Gierig ein paar Partien Skat. Du siehst also, Ranzig, der Tag wird gar nicht so übel.

Ranzig:                         Und die anderen Dinge verdrängt Ihr völlig?!

Luzifer:                         Ja. – Das heißt, wenn sie mich nicht ernsthaft bedrohen.

Ranzig:                         Es ist durchaus möglich, dass sie das schon sehr bald tun.

Luzifer genervt:           Also gut, du Quälteufel, sag schon: Was ist wieder passiert?

Ranzig:                         Polizeichef Gierig wird heute nicht mit Euch Skat spielen, er liegt auf der Krankenstation.

Luzifer:                         Wieso das?

Ranzig:                         Man hat ihm die Hörner abgebrochen...

Luzifer:                         Alle beide?

Ranzig:                         Und die Zähne eingeschlagen

Luzifer erschüttert:     Der Pöbel!

Ranzig:                         In der sechsundzwanzigsten Unteretage wurden zudem drei Aufseherteufel eine Stunde lang in Öl gesiedet, und in der zwölften musste ein Putzteufel einen Eimer Seifenschaum verspeisen.

Luzifer:                         Im Palast war nichts?

Ranzig:                         An der Ostfassade steht seit heute Nacht ein Graffiti: ”Luzifer go home!”

Luzifer:                         Das sind vier Vorfälle innerhalb von vierundzwanzig Stunden. Ich gebe zu, Ranzig, das wird allmählich gefährlich. Ich weiß nicht, wie ich die Sünder von solchem Unsinn abhalten kann.

Ranzig:                         Das sind gefährliche Aggressionen! Alles nur aus Langeweile. Ihr Dasein ist nicht ausgefüllt.

Luzifer:                         Früher haben die Sünder Spaziergänge gemacht und Körbe geflochten, haben philosophiert und tätige Reue geübt für ihre irdischen Schandtaten. Aber heute ruhen sie sich nach der täglichen Folter etwas aus, kopulieren dann ein bisschen, saufen und spielen Karten, und schließlich wissen sie nichts mehr mit sich anzufangen und werden ausfällig.

Ranzig:                         Und bald endet alles im Chaos!

Luzifer mit Entschluss: Ranzig, du hattest eine glorreiche Vergangenheit auf der Erde und hast dich hier in der Hölle zu meinem Leib-Dienerteufel emporgearbeitet. Du bist schlau und weitsichtig, dir fällt bestimmt etwa ein! (Beendet das Frühstück.) Dreh eine Runde durch die Gänge, hol dir Inspirationen und habe eine gute Idee! Ich verziehe mich jetzt in mein Vergnügungskabinett und lasse mich für den Tag etwas herrichten. Danach gehe ich meinen Geschäften nach. Ich hoffe, bald von dir zu hören!

Ranzig:                         Das stellt ihr Euch so einfach vor!

Luzifer:                         Ich stelle mir gar nichts vor. Ich weiß nur, dass wir eine Lösung brauchen. Also, wir sehen uns! (Ins Vergnügungskabinett ab.)

Ranzig räumt den Frühstückstisch ab. Er ist in Gedanken.

  

Zweites Bild 

An der Pforte.

Ein Saal auf neutralem Boden zwischen Himmel und Hölle mit großen Pforten ins Dunkle und Helle. Links ist eine Warteecke eingerichtet; rechts, abgetrennt durch eine Spanische Wand, ein Verhandlungsraum mit Richtertisch samt zwei Sesseln und davor einem Kandidaten-Stuhl.

In die Warteecke kommen drei Kandidaten: Rüdiger Blume, eine Künstlernatur, Dr. Walter Köhler, ein gepflegt gekleideter Manager aus der Automobilbranche, und seine eher legere Frau Sabine.

Köhler:                         Da sollen wir warten, haben sie gesagt. (Zu Sabine.) Setz dich!

Sabine:                         Kommandiere mich nicht so herum!

Köhler:                         Ich war immer viel zu gutmütig mit dir!

Die Köhlers setzen sich.

Blume zu Sabine:         Aha, du setzt dich also neben deinen Mann! Alles klar!

Köhler:                         Sie sind hier ganz ruhig! Sie haben uns das alles eingebrockt!

Blume zerrt an Sabine: Du gehörst zu mir! Was willst du bei diesem Leuteschinder! Bei diesem Umweltverschmutzer!

Köhler:                         Es ist keine Sünde, Autos zu bauen und welche zu fahren!

Blume:                          Das werden wir ja sehen! Das kommt hier alles raus!

Sabine:                         Beruhige dich, Blume! Ich kann nicht mit dir gehen, schließlich hast du mich umgebracht!

Blume:                          Was kann ich dafür, wenn du ebenfalls von den vergifteten Bananen isst? Ich hatte dich vorgewarnt!

Köhler:                         Aha, du hast also gewusst, dass er mich vergiftet!

Sabine zu Blume:         Das war ein Versehen! Ich dachte, du hättest die Birnen vergiftet.

Köhler:                         Sabine, antworte mir: Hast du wirklich gewusst, dass er mich vergiften will?

Blume:                          Natürlich hat sie das gewusst. Wir wollten frei sei! (Zu Sabine.) Wir hätten so glücklich werden können, Sabine, wenn du nur etwas aufgepasst hättest!

Sabine:                         Bitte, Blume, mach mir jetzt nicht auch noch Vorwürfe! Es war ein Versehen! (Zu Köhler.) Natürlich hätte ich gerne mit Blume ein neues Leben begonnen. Aber ich wollte nicht, dass du stirbst.

Köhler:                         Das ist sehr glaubhaft! Du hast immerhin gewusst, dass meine Bananen oder Birnen vergiftet sind.

Blume euphorisch:       Sabine! Uns steht noch alles offen! Ich bin bei dir! Ich habe ebenfalls von den Bananen gegessen! – Was hätte ich ohne dich noch auf der Erde gemacht! Wir können hier unsere Liebe weiterführen!

Köhler sarkastisch:     Vorausgesetzt, ihr kommt beide in die Hölle – wovon ich allerdings ausgehe!

Blume:                          Nein! Wir kommen in den Himmel, denn auf unserer Seite ist die Liebe! Und auf Ihrer Seite ist nur Kälte und Ignoranz! Sie kommen in die Hölle!

Sabine:                         Aber Blume, ich kann nicht bei dir bleiben! Du bist mein Mörder!

Blume:                          Ich bin nicht dein Mörder! Dein Tod war ein Missgeschick! - Hast du selbst gesagt!

Sabine:                         Jedenfalls hast du meinen Mann umgebracht!

Blume:                          Herrje, sei doch nicht so launisch! Das wolltest du doch! Und jetzt ist das doch ohnehin unwichtig!

Köhler:                         Achtung, es geht los!

Ranzig kommt aus der dunklen Pforte.

Ranzig:                         Guten Tag!

Die Kandidaten grüßen und beobachten Ranzig gespannt. Dieser sieht sich etwas um, bleibt aber schweigsam.

Aus der hellen Pforte kommt der Richterengel Bonifazius. Er trägt ein goldenes Buch.

Bonifazius zu Ranzig: Guten Tag. Sind Sie Herr Schmierig?

Ranzig:                         Nein, ich vertrete mir nur etwas die Beine.

Bonifazius:                   Kein Problem! Darf ich mich vorstellen: Engel Bonifazius! Ich bin nach meinen Unterlagen heute mit einem Herrn Schmierig an Pforte achtzehn, und da dachte ich...

Ranzig:                         Dieser Herr Schmierig wird sicher bald kommen.

Bonifazius:                   Sicher. (Grüßt zu den Kandidaten hinüber.) Guten Tag die Herrschaften. Ich begrüße Sie im Jenseits für den abendländischen Kulturkreis.

Die Kandidaten grüßen.

Bonifazius:                   Wir können gleich mal die Liste durchgehen. (Sieht in sein Buch.) Das ist ja eine widerwärtige Geschichte.

Blume vorsichtig:       Ist so passiert.

Bonifazius:                   Sind Sie Herr Rüdiger Blume?

Blume:                          Ja.

Bonifazius:                   Der Mörder!

Blume:                          Aus Liebe!

Bonifazius:                   Und Selbstmörder!

Blume:                          Auch, ja. Aber ebenfalls aus Liebe!

Bonifazius legt die Stirn in Falten: Nun, schauen wir mal. – Und Sie sind Herr Dr. Walter Köhler.

Köhler:                         Das Opfer, ja.

Bonifazius:                   Und Sie die - Ehebrecherin: Sabine Köhler.

Sabine nickt betroffen.

Schmierig eilt durch die Höllenpforte herbei. Er hat ein schwarzes Buch bei sich.

Schmierig:                    Entschuldigen Sie, ich bin zu spät. Ich hatte das Buch verlegt.

Bonifazius:                   Alles verziehen! Ich habe bereits die Kandidaten auf Vollzähligkeit überprüft.

Schmierig sieht Ranzig: Ah, guten Tag, Herr Ranzig, wenn ich nicht irre.

Ranzig:                          Ganz recht. Lassen Sie sich durch mich nicht stören.

Schmierig:                    Sie sind willkommen: Das Gericht hat keine Geheimnisse vor dem Königshaus!

Ranzig:                          Ich werde ein wenig zuhören.

Schmierig leise zu Bonifazius: Das ist der Leib-Dienerteufel von König Luzifer. Der schnüffelt überall herum. Aber ich muss freundlich zu ihm sein, er hat großen Einfluss.

Schmierig und Bonifazius setzen sich hinter den Richtertisch, Ranzig hält sich im Hintergrund.

Schmierig zu Bonifazius: Was ich Sie noch fragen wollte, Herr Bonifazius, haben Sie schon mal eine Anneliese Strobel gehabt?

Bonifazius:                   Ich kann mich nicht erinnern. Wir sind hier so viele, und es gibt so viele Pforten, seit Jahrtausenden.

Schmierig:                    Wissen Sie, Anneliese Strobel ist meine Frau. Ich hieß früher Wilhelm Strobel. Ich bin vor ihr gestorben, das heißt, ich weiß gar nicht, ob sie schon gestorben ist. Aber sie wäre jetzt in den Neunzigern.

Bonifazius:                   Tut mir leid, Ich kann Ihnen nicht weiterhelfen. Ich schlage vor, wir fangen an.

Schmierig:                    Jaja, entschuldigen Sie. Fangen wir an.

Ranzig:                         Was steht an?

Schmierig:                    Eine sehr erfreuliche Dreiecksgeschichte mit drei Toten.

Bonifazius:                    Eine verderbte Angelegenheit! Ein Exzess! Beginnen wir gleich mit dem Übeltäter. (Ruft.) Herr Rüdiger Blume, bitte.

Blume macht sich auf den Weg zu seinen Richtern.

Sabine:                          Viel Glück, Blume.

Blume:                           Ich werde für alles büßen müssen.

Köhler:                          Das ist nur recht und billig.

Sabine allein mit Köhler: Ach, ist das furchtbar.

Köhler:                         Weine ihm jetzt nicht auch noch hinterher! Wann begreifst du endlich, dass du es bei mir tausendmal besser hast. Er ist ein Nichtsnutz! Ein Künstler!

Sabine:                         Aber er hat Geist, und er stellt keine Autos her. Und er rast auch nicht so tierisch auf der Autobahn!

Köhler:                         Du wirfst mir vor, dass ich auf der Autobahn rase! Ausgerechnet du! Du vergötterst mein Auto - und wählst die Grünen!

Blume ist bei seinen Richtern. Diese haben inzwischen in ihren Büchern gelesen.

Bonifazius:                   Ruhe da draußen! (Zu Blume.) Setzen Sie sich, Herr Blume.

Blume setzt sich.

Schmierig:                    Nun, mein lieber Herr Blume, es sieht nicht gut aus für Sie.

Bonifazius:                   Das ist ein eindeutiger Fall des Fünften Gebotes: Du sollst nicht töten. Und Nummer zehn: Du sollst nicht begehren... und so weiter. Haben wir sicher mal im Religionsunterricht gelernt.

Blume:                          Es geschah aus Liebe! Und Liebe ist etwas Göttliches!

Bonifazius:                    Wenn die Liebe zu Mord führt, dann ist sie nur lüsterne Leidenschaft, und Sie wissen, dass wir da etwas heikel sind. Und Selbstmord ist ja auch so eine Sache... Da gibt es freilich verschiedene Denkansätze.

Schmierig:                    Wir von der Hölle sehen das gelassen, finden Ihre Taten sogar sehr lobenswert. Aber der Himmel entscheidet letztlich, wen er einlässt; und wir nehmen dann, was übrig bleibt.

Blume:                          Also komme ich in die Hölle!

Bonifazius:                   Wir nehmen Sie auf keinen Fall, das müssen Sie verstehen.

Schmierig:                    Also gehen Sie bitte durch die dunkle Pforte, und melden Sie sich an der Rezeption.

Blume:                          Was ist mit Sabine?

Schmierig:                    Sie können gerne noch das Urteil über sie abwarten. - Haben Sie sonst noch Fragen?

Blume:                          Ja. Darf ich hier schreiben und Lesungen halten.

Schmierig zu Ranzig: Was meinen Sie?

Ranzig:                          Solange Sie nicht das Königshaus beleidigen und fromme Gedanken verbreiten, wird niemand etwas dagegen haben.

Blume:                           Ich kämpfe für höhere Werte, für die Gerechtigkeit und Gleichheit!

Ranzig:                          Das ist nichts Besonderes. Das machen sie alle.

Blume:                           Das ist ein unerschöpfliches Thema!

Ranzig gelassen:           Wie Sie meinen.

Bonifazius:                     Sie können jetzt gehen.

Blume:                           Ja. Wiedersehen. (Geht zurück in die Warteecke.)

Sabine:                          Und?

Blume:                           Hölle. Ich war zu „lüstern“.

Köhler:                          Das nenne ich Gerechtigkeit!

Bonifazius:                     Dr. Walter Köhler!

Köhler macht sich auf den Weg zu seinen Richtern.

Schmierig leise zu Bonifazius: Wissen Sie, die Anneliese hat mich bei einem Seitensprung mit einer Schuhverkäuferin erwischt. Und noch bevor ich Anneliese das alles erklären konnte, bin ich verunglückt.

Bonifazius:                   Pst. Da kommt Dr. Köhler

Schmierig und Bonifazius lesen in ihren Büchern.

Blume zu Sabine: Sabine, du musst bei mir bleiben!

Sabine:                          Bitte lass mich! Ich will in den Himmel! Mit Walter!

Blume:                          Du musst freiwillig in die Hölle gehen!

Sabine.                         Bist du verrückt?!

Bonifazius:                    Darf ich abermals um Ruhe bitten! Herr Dr. Köhler, bitte setzen Sie sich.

Köhler setzt sich.

Schmierig:                    Also, Herr Dr. Walter Köhler, Sie wurden mittels einer Banane vergiftet.

Köhler:                        Ich bin das unschuldige Opfer eines gemeinen Komplotts.

Bonifazius:                    Das ist wohl wahr, Herr Dr. Köhler. Bei Ihnen liegt das Hauptproblem schon etwas zurück, und es ist nicht so offensichtlich.

Köhler erschrocken:   Welches Hauptproblem?

Bonifazius:                    Die Eintragung ist etwa acht Jahre alt: „Hat heute von Herrn Winter erfahren, dass die Bremsen beim Modell Tiger 4 nicht richtig funktionieren und hat die Produktion trotzdem weiter laufen lassen.“ Und später heißt es: „Letztlich gehen elf Unfalltote auf dieses Verschweigen zurück.“

Köhler:                         Woher wissen Sie das?

Schmierig und Bonifazius lachen:

Schmierig:                    Sie unterschätzen die höheren Mächte! Das war ein großer Fehler in ihrem Leben - so allgemein formuliert.

Bonifazius:                    Aber trösten Sie sich: Den machen viele aus der Wirtschaft.

Köhler:                         Ich habe der Menschheit wundervolle Stunden in schnellen Autos geschenkt - ist das nichts?

Schmierig:                    Herr Dr. Köhler, ersparen wir uns die Diskussionen. Sie kommen zu uns.

Köhler:                         In die Hölle?

Schmierig:                    Sie werden sich rasch eingewöhnen. Haben Sie noch Fragen?

Köhler:                         Was erwartet mich in der Hölle?

Schmierig:                    Täglich eine Stunde Folter; den Rest des Tages haben Sie frei.

Köhler:                         Was gibt es zur Bespaßung?

Schmierig:                    Wie bitte?

Köhler:                         Was wird von der Leitung bereitgestellt, damit sich die Leute amüsieren können. Fernsehen, Spiele, schnelle Autos...

Schmierig:                    So etwas gibt es hier nicht. Karten- und Gesellschaftsspiele sind erlaubt.

Ranzig mischt sich ein: Wie meinen Sie das?

Köhler:                         Seien Sie doch nicht weltfremd! Der moderne Mensch hat sich darauf eingestellt, bespaßt zu werden. Unterhaltung! Ausleben des Spieltriebes!

Ranzig:                         Tut mir leid, ich bin da vielleicht etwas rückständig. Ich starb im Zweiten Weltkrieg.

Köhler:                         Das war nicht als Beleidigung gemeint.

Ranzig:                         Ist schon in Ordnung. (Zieht sich wieder in den Hintergrund zurück und denkt nach.)

Schmierig:                     Jedenfalls gibt es hier so etwas nicht. Gehen Sie bitte durch die dunkle Pforte, und melden Sie sich an der Rezeption.

Köhler:                         Ich warte noch auf meine Frau.

Schmierig:                    Gerne.

Köhler geht in den Warteraum. Er ist niedergeschlagen.

Sabine:                          Hölle?

Köhler nickt.

Sabine:                          Wieso?

Köhler:                         Eine Lappalie. Beruflich.

Bonifazius:                     Frau Sabine Köhler, bitte!

Sabine:                          Ich bin dran.

Bonifazius leise zu Schmierig: Und was wollen Sie Ihrer Anneliese erklären. Bei Ehebruch gibt es doch nichts zu erklären?

Schmierig:                    Naja, dass ich das nicht so gemeint habe.

Bonifazius:                   Wie kann man so etwas ”nicht so” meinen?

Schmierig:                    Weil...

Sabine:                        Guten Tag.

Bonifazius:                   Ah ja, Frau Köhler. Bitte setzen Sie sich.

Sabine setzt sich.

Köhler zu Blume:        Versponnener, klebriger Weltverbesserer!

Blume zu Köhler:        Animalische Banause!

Sie strafen sich gegenseitig mit Verachtung.

Bonifazius zu Sabine:   Bei Ihnen ist das so eine Sache. Wir honorieren durchaus, dass Sie sich aktiv für die soziale Gerechtigkeit und den Umweltschutz eingesetzt haben - auch wenn sie gelegentlich zu Inkonsequenz neigten; aber leider urteilen wir sehr streng, wenn es um das sechste Gebot geht - das betrifft den Ehebruch, vielleicht ist Ihnen das geläufig. Es ist uns daher unmöglich, Sie im Himmel aufzunehmen.

Sabine dumpf:             Also doch!

Bonifazius:                    Das mit Herrn Blume geht ja schon eine ganze Weile, wenn wir das richtig beobachtet haben.

Schmierig:                    Ich habe nicht hinzu zu fügen. Bitte gehen Sie durch die dunkle Pforte, und melden Sie sich an der Rezeption. Haben Sie noch eine Frage?

Sabine:                         Mit wem lebe ich zusammen?

Schmierig:                     Das bleibt Ihnen überlassen. Wir sind da liberal. Im katholischen Bezirk des Himmels müssten Sie bei Ihrem Ehemann bleiben - die sind da recht kleinlich.

Bonifazius ärgert sich.

Sabine:                         Gibt es hier irgendwelche sozialen Initiativen, denen ich beitreten könnte.

Schmierig:                     Die Hölle kennt nichts Soziales.

Ranzig:                         Entschuldigen Sie, wenn ich mich nochmals einmische. Es gibt einen Esoterikverein - wenn sie das möchten.

Sabine:                         Ich hatte schon mal mit einer Kartenlegerin zu tun.

Ranzig:                         Erkundigen Sie sich an der Rezeption.

Sabine:                         Danke.

Schmierig:                    Sie können jetzt gehen.

Sabine:                         Wiedersehen.

Sie wird von Tränen überwältigt und läuft in Köhlers Arme.

Sabine:                          Hölle! Wegen Ehebruch!

Köhler streichelt sie:     Mein dummes Grünchen.

Blume steht hilflos daneben.

Schmierig zu Bonifazius: So, das wär‘s dann. Drei zu Null!

Bonifazius:                    In einer halben Stunde haben wir eine Nonne und einen Versicherungsvertreter. Hoffentlich ist wenigstens die Nonne etwas für uns.

Schmierig:                    Also bis später. Und wenn Sie eine Anneliese Strobel treffen...

Bonifazius:                    Sag ich Bescheid, ja. Wiedersehen. (Verschwindet durch die helle Pforte.)

Ranzig ist zu Köhler gegangen.

Ranzig:                         Herr Dr. Köhler, es kann sein, dass ich in Kürze auf Sie zukomme. Ich darf mich vorstellen: Ranzig. Vertrauter von König Luzifer.

Köhler beeinträchtigt durch die heulende Sabine: Sehr angenehm. Ich stehe der Führung jederzeit zur Verfügung.

Schmierig:                    Bitte gehen Sie jetzt durch die dunkle Pforte.

Köhler setzt sich mit Sabine in Bewegung. Blume schleicht hinterdrein.

Schmierig zu Ranzig: Entschuldigen Sie, Herr Ranzig, darf ich Sie noch was fragen? Macht der Esoterische Verein auch Spiritistische Sitzungen?

Ranzig:                         Das weiß ich nicht.

Schmierig:                    Dann schaue ich einfach mal vorbei. Die Rezeption weiß Bescheid?

Ranzig:                         Ja. Wiedersehen.

Schmierig:                    Wiedersehen.

Ranzig geht den anderen durch die dunkle Pforte nach und überholt sie.

Schmierig:                    Anneliese, wo könntest du nur sein?

       
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