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Krawatten, Küchenschürzen -
alles für den Mann

Eine Komödie in neun Bildern
von Rolf Stemmle

Personen:

Ewald König, der Chef
Renate, seine Frau
Andy, beider Sohn

Arabella, Freundin von Andy
Helga Maihuber, deren Mutter

Frau Galler, Büroleiterin
Frau Brodel, Sekretärin
Herr Dick, kaufmännischer Leiter
Daniela, Auszubildende im Büro

Frau Peplinski, Betriebsleiterin
Fritzi, Textilpflegerin
Hiltrud, Textilpflegerin
Silvia, Textilpflegerin
Pia, Auszubildende im Betrieb
Frau Pommer, Verkäuferin
Frau Lautensack, Verkäuferin

Frau Maier, eine Kundin

Durch behutsame Eingriffe in den Text
lassen sich die weiblichen Rollen von
14 auf 11 reduzieren:

Ort und Zeit:
“Firma König – alles für den Mann“
und drum herum;
Gegenwart

Aufführungsrechte beim Autor
Manuskript zur Ansicht zu bestellen beim Autor

       
 

Herr König leitet mit abschmelzendem Erfolg seine Familie und seine „Firma König - alles für den Mann“. Die Probleme: Unangenehme Details über eine alte Beziehungsgeschichte werden bekannt, sein Sohn verliebt sich ausgerechnet in eine emanzipierte Angestellte, die neue Firmensoftware verursacht Chaos. Das alles bringt seine männliche Autorität ins Wanken. Schließlich eskaliert ein Ehestreit, und Frau König läuft davon. In ihrem Versteck wird sie von einer Mitarbeiterin aufgefunden, die Frau König auf neue Gedanken bringt. Neu sortiert und gerüstet tritt sie ihrem Mann entgegen…
Ein herzlicher Kampf um die Rollen von Frau und Mann!

       
 

Textprobe  

Erstes Bild

Eingangsbereich der Firma König – alles für den Mann.

Die drei Türen führen links zu weiteren Räumen der Firma, nach hinten ins Büro von Herrn König und rechts zum Eingang. Mehr links steht der Schreibtisch von Frau Brodel.

Frau Brodel arbeitet. Das Telefon klingelt.

Frau Brodel:                 „Firma König – alles für den Mann“, Elise Brodel am Apparat. – Ja, wir führen alles für den Mann, selbstverständlich auch Krawatten. Wir haben erst gestern eine hochwertige Kollektion aus Italien herein bekommen. Schickes Design, reinste Seide aus Mailand. – (Erschrocken.) Nein, Küchenschürzen haben wir natürlich nicht! Wir führen „alles für den Mann“! Handel und Textilpflege. – Kommen Sie am besten in unser Ladengeschäft. Unser Verkaufspersonal berät sie kompetent. – Genau: Rathausplatz, Ecke Bürgermeister-Moser-Gasse. „König – alles für den Mann“. – Wiederhören.

Sie arbeitet weiter.

Die Auszubildende Daniela kommt von links mit einer Tasse Kaffee.

Daniela:                        Guten Morgen, Frau Brodel. Ist er schon da?

Frau Brodel:                 Ja, Herr König ist schon da.

Daniela klopft und bringt den Kaffee ins Chefzimmer. Nach kurzer Zeit kommt sie zurück.

Frau Brodel:                 Was macht Herr König?

Daniela:                        Er raucht Pfeife und schaut aus dem Fenster.

Frau Brodel:                 Das ist gut. Er kommt wieder in sein Gleichgewicht.

Daniela will links ab.

Frau Brodel:                 Daniela! Die Firma Megasoft hat vorhin angerufen. Das Programm, das Herr König bestellt hat, ist eingetroffen. Hole es bitte ab.

Daniela:                        Wird gemacht! (Nach rechts ab.)

Frau Brodel arbeitet weiter.

Fritzi kommt von links.

Fritzi:                            Guten Morgen, Frau Brodel. Ich muss heute Nachmittag was Dringendes erledigen. Ich bräuchte zwei Stunden frei.

Frau Brodel:                 Das müssen Sie Herrn König fragen.

Fritzi:                            Das will ich ja...

Frau Brodel:                 Das geht aber jetzt nicht. Herr König darf noch nicht gestört werden. Er hat einen anstrengenden Urlaub hinter sich und muss innerlich wieder in die Firma finden.

Fritzi:                            Ich brauch ihn aber jetzt!

Frau Bordel:                 Beinahe wäre er Opfer eines gewaltigen Sturms auf dem Schwarzen Meer geworden! Kommen Sie später noch mal.

Fritzi verärgert:           Okay.

Frau Brodel:                 Maulen Sie nicht! Seien Sie froh, dass Sie hier arbeiten dürfen!

Fritzi links ab.

Daniela kommt zurück. Sie bringt einen kleinen, bunten Karton.

Daniela:                        Bin schon wieder da.

Frau Brodel nimmt ihr vorsichtig den Karton ab: Das ist es also! Das Programm, auf das Herr König so lange gewartet hat. Ich informiere Frau Galler! (Ruft nach links.) Frau Galler!

Frau Galler kommt:      Hat Daniela das Programm geholt?

Frau Brodel:                 Ja, da ist es!

Frau Galler betrachtet ehrfürchtig den Karton: Der Power-Organizer! Er wird unsere Firma völlig reformieren – hat Herr König gesagt. Völlig!

Frau Brodel:                 Herr König ist schon im Haus.

Frau Galler:                  Ich meine, ich sage zunächst Herrn Dick Bescheid. Er muss es einführen, und er muss ihn auch informieren! (Nach links ab.)

Frau Brodel zu Daniela: Steh nicht so da! Du könntest die Bestellungen durchsehen! Wir warten dringend auf Kreuzschlitzschraubenzieher!

Daniela links ab.

Frau Galler und Herr Dick kommen.

Frau Galler:                  Es ist nur eine kleine, bunte Schachtel.

Herr Dick:                    Hauptsache, Frau Galler, Hauptsache die CD-Rom ist drin. (Schaut in den Karton.) Jaja, alles da. CD-Rom, Handbuch. Herr Wacker von der Firma Megasoft hat uns ja schon alles erklärt. Es ist einfach, aber absolut genial! Ich informiere jetzt Herrn König!

Frau Brodel:                 Ich hole ihn. (Sie hüpft ins Büro von Herrn König.) Herr König! Herr König! Der Power-Organizer ist im Haus!

Herr König kommt.

Herr König:                  Der Power-Organizer!

Herr Dick:                    Ja, sehen Sie Herr König! (Gibt ihm den Karton.)

Herr König:                  Ihr ahnt gar nicht, welche Mühe es war, dieses Programm auszuwählen! Und welche Verantwortung es ist, mein alteingesessenes Familienunternehmen darauf abzustellen!

Frau Galler:                  Sie haben bestimmt das Richtige getan!

Frau Brodel:                 Und werden bestimmt weiter das Richtige tun!

Herr König:                  Nachdem ich einen so abenteuerlichen Urlaub hatte... heute diese Herausforderung!

Frau Galler:                  Für Sie ist das doch Routine!

Frau Brodel:                 Herr König hat nämlich nur knapp einen heftigen Sturm auf dem Schwarzen Meer überlebt!

Herr König:                  Ja! Ich habe doch mit meiner Jacht und meiner Frau einen Törn auf dem Schwarzen Meer unternommen. Und am neunten Tag hat uns ein heftiger Sturm heimgesucht! Ich dachte schon, unser Ende sei gekommen, aber mir ist es im entscheidenden Moment gelungen, in eine stillere Flussmündung einzufahren. Es war wahnsinnig knapp!

Frau Brodel:                 Das müssen Sie uns bei der Betriebsfeier unbedingt ausführlicher erzählen!

Frau König kommt mit Einkaufstaschen von rechts. Sie stellt die Taschen ab und beginnt dann, aus einer dreieckigen Papiertüre zu naschen.

Herr König:                  Ah, Renate, du bist´s! Du kommst vom Einkaufen!

Frau König:                  Guten Morgen! Nachdem es bei uns nur Männersachen gibt, muss ich zwangsläufig fremdgehen!

Herr König:                  Haha! Immer zu Scherzen aufgelegt!

Frau König:                  Magst du eine Geleebanane?

Herr König:                  Danke, jetzt nicht! – Meine neue Software ist da!

Frau König:                 Oh! Das wird sicher eine wichtige Neuerung! Hast du sie ausgesucht?

Herr König:                  Na klar, es war schon gar nicht leicht, den richtigen Berater zu finden!

Frau König:                  Darf ich dich einen kleinen Moment stören?

Herr König:                  Natürlich, Renate! (Zu den anderen.) Unser Sohn Andreas hat ja sein Wirtschaftsstudium jetzt beendet und bezieht gerade eine Wohnung hier in der Stadt. Da gibt es viel zu organisieren. Herr Dick, installieren Sie den Power-Organizer erst mal auf Ihrem Rechner, und kontrollieren Sie die Funktionsfähigkeit!

Herr Dick:                     Mach ich sofort! (Mit dem Karton links ab.)

Frau Galler:                  Frau Brodel, Sie könnten mir bitte bei einer Kleinigkeit behilflich sein.

Frau Galler und Frau Brodel ebenfalls links ab.

Herr und Frau König bleiben zurück.

Herr König nimmt sich eine Süßigkeit: Frag mich nicht immer vor dem Personal, ob ich naschen möchte! Was gibt es denn so Dringendes?

Frau König:                  Ich muss dir unbedingt das Kleid zeigen, das ich gerade gekauft habe!

Herr König greift zur Einkaufstasche: Also gut, zeig her!

Frau König zieht die Tasche zurück: Halt! Nicht vorher gucken! Erst, wenn ich es anhabe! (Verschwindet im Büro, die Tür bleibt offen.)

Herr König will ihr nach: Du kannst hier nicht...

Frau König stößt ihn hinaus: Nicht vorher gucken!

Herr König:                  Renate, wir befinden uns hier in den Geschäftsräumen der Firma König!

Frau König:                  Ja und? Die Firma gehört uns doch! – Wir sind übrigens heute bei Andy eingeladen!

Herr König:                  Wie weit ist er?

Frau König:                  Der Umzug hat prima geklappt. Eine Menge seiner Freunde vom Studium haben geholfen.

Herr König:                  Es gab doch noch Probleme mit dem Starkstromanschluss des Herdes.

Frau König:                  Weiß ich nicht, jedenfalls sind wir zum Essen eingeladen.

Herr König:                  Oje! Andy und kochen! Du wirst eine Stunde vorher hinmüssen!

Frau König:                  Augen zu!

Herr König folgt.

Frau König kommt im rosaroten Kleid aus dem Büro: Das werde ich heute Abend anziehen! Augen auf!

Herr König:                  Aha! Schön! Etwas gewagt vielleicht – aber schön!

Frau König:                  Wieso ist das gewagt? Steht es mir nicht?

Herr König:                  Wieso willst du in einem solch... solch aufwändigen Kleid zum Abendessen bei deinem Sohn?

Frau König:                 Gut gefragt, Ewald! Wir sind nämlich nicht allein!

Herr König:                  Eine Frau! Mein Sohn hat eine Freundin!

Frau König:                  Endlich hat er eine!

Herr König:                  Ich hab zu ihm immer gesagt: Während des Studiums kannst du auf die Jagd gehen, aber die Beute ist was für nachher!

Frau König:                 Und es scheint etwas Ernstes zu sein. Die Mutter...

Herr König:                  Die künftige Schwiegermutter!

Frau König:                  Die Mutter der Freundin ist zu Besuch und wird ebenfalls vorgestellt!

Herr König:                  Aha! Darum dieser Aufzug!

Fritzi kommt herein:    Entschuldigung, wenn ich störe!

Herr König streng:       Frau Faltermeier, was wollen Sie?

Fritzi:                            Ich hab nur eine kleine Frage: Mein Vater ist heute Morgen mit dem Fuß umgeknickt und kann nicht richtig laufen. Er hat heute Nachmittag einen Arztbesuch, und er bräuchte meine Hilfe. Kann ich für zwei Stunden von hier verschwinden?

Herr König:                  „Verschwinden“? Sie arbeiten hier als Textilpflegerin und nicht als Hexe! Da kann man nicht so einfach kurz „verschwinden“! Die Kunden warten auf ihre Wäsche!

Frau König:                  Also, ich finde, man muss solches familiäres Verantwortungsbewusstsein unterstützen. Du kannst deine diesbezüglichen Defizite nicht zum Maßstab machen!

Herr König:                  Also gut! „Verschwinden“ Sie am Nachmittag für zwei Stunden.

Fritzi:                            Danke. Danke, Frau König. (Ab.)

Herr König sauer:        Ich sage jetzt nichts!

Frau König:                  Ewald, du bist ansonsten wirklich ein erstklassiger Chef!

Herr König geschmeichelt: So, findest du?

Frau König:                  Ja, ganz ehrlich. Das mit dem neuen Programm wird sicher ein großer Gewinn für die Firma.

Herr König:                  Jaja, das kann schon sein...

Frau König:                 Aber das Personal erwartet auch soziales Gefühl.

Herr König:                  Naja, gut, lassen wir das...

Frau König:                  Also, Ewald, jetzt sag schon: Was gefällt dir nicht an diesem Kleid?

Herr König windet sich: Ich meine nur, ganz früher hattest du mal ein rosarotes Kleid, das war besser für dich geeignet.

Frau König:                  Inwiefern „geeignet“?

Herr König:                  Es war um die Hüften irgendwie passender.

Frau König:                  Sag endlich, was du meinst!

Herr König:                  Naja, dein Po war damals etwas knackiger.

Frau König:                  Aha! Mein Po war schon immer so.

Herr König:                  Im früheren Kleid war er noch eine Idee knackiger!

Frau König:                  Erstaunlich! Das ist mein erstes rosafarbenes Kleid!

Herr König wird nervös: Du hattest doch...

Frau König:                  Nein! (Vorwurfsvoll.) Du verwechselst mich!

Herr König:                  Ich verwechsle dich...?

Frau König:                  Wer hatte einen Po, der „knackiger“ war als meiner?

Herr Dick kommt herein. Er ist sehr aufgewühlt.

Herr Dick:                    Es ist großartig! Herr König, dieser Power-Organizer ist wirklich großartig!

Herr König:                  Ah, das ist ja fein! (Zu seiner Frau.) Renate, tut mir leid, ich werde hier in der Firma gebraucht! Wir sehen uns abends! (Zu Herrn Dick beim Abgehen.) Das muss ich sehen. Sie werden es unverzüglich auf allen Rechnern installieren.

Frau König bleibt alleine zurück. Sie isst eine Handvoll Geleebananen.

Frau König:                 So etwas, mein lieber Ewald, so etwas verletzt eine Frau!

 

       
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