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Wo ist Gitti Gelb?

 Ein Stück für junge Leute
ab 6 Jahren
von Rolf Stemmle

Personen:
Lisa
Gitti Gelb
Olaf Dunkelblau
Lehrer Fragefuß

Ort:
bei Lisa, auf der Straße
und bei Lehrer Fragefuß;
Sommer

Aufführungsrechte beim Autor
Manuskript zur Ansicht zu bestellen beim Autor

       
 

Lisa will eine Zimmerwand mit einem Sternenhimmel bemalen und kauft gelbe und dunkelblaue Farbe. Schon in der Tüte beginnen die beiden zu streiten, bis die quirlige Gitti Gelb schließlich das Weite sucht. Lisa und der träge Olaf Dunkelblau spüren ihr nach. Doch als sie Gitte finden, hat sie schon eine Menge angestellt.
Eine farbenfrohe Komödie!

       
 

Textprobe 

Erstes Bild

Lisas Zimmer.

Lisa stürmt herein.

Lisa:                              Hey, super! – Wisst ihr, was ich da in meiner Hand habe? Kommt ihr nie drauf! Nein, ich bin nicht geldgierig! Nein, wirklich nicht! Aber ich freu mich trotzdem total! – Na? Kommt ihr drauf? – Richtig! Geld! Ein Zehn-Euro-Schein. Ein kleines Stück rotes Papier, aber man kann sich jede Menge dafür kaufen! Den hat mir gerade Onkel Markus geschenkt. Der ist zum Abendessen da, weil Papa Geburtstag hat. Solche Onkels sind doch klasse! Zehn Euro!
Die kann ich gerade richtig gut gebrauchen. Mein Taschengeld war wieder viel zu schnell alle. Geht euch wohl auch so. Passt mal auf: Volksfest, also Schiffschaukel, Geisterbahn, Skooter, Riesenrad, Zuckerwatte. Hat alles ganz schön was gekostet. Dann Geburtstag von Evi, meiner Freundin. Papas Geburtstag, Kino, eine irre neue Haarspange… Also ist meine Kasse leer. Taschengeld ist immer zu wenig.
Und jetzt kommt Mama und sagt: „Tu die zehn Euro in dein Sparschwein! Sei vernünftig!“ Das ist leicht gesagt. „Sei vernünftig!“
(Holt das Sparschwein.)
Das ist doch schon ziemlich fett, oder? (Hält ihm den Geldschein vor den Rüssel.) Magst du das? – Iimitierend.) Grunz, nee, grunz, grunz. – Aber du musst, hat Mama gesagt. – Grunz, nee. Schon satt. Grunz, grunz. – Wirklich? – Grunz, grunz.
Ihr habt es gehört - Falls mir Mama das nicht glaubt. Es ist satt!
Also muss ich es ausgeben!
Und zufällig hab ich schon eine Idee. Da kommt ihr nie drauf! Schaut euch mal mein Zimmer an.
(Geht zu einer weißen Wand.) Ist euch schon mal aufgefallen, dass diese Wand hier absolut langweilig ist? Nichts drauf. Da hing immer ein Plakat von einem Kinofilm. Der hat mir mal toll gefallen. Aber da ich inzwischen schon ziemlich groß geworden bin, finde ich ihn jetzt ziemlich blöd. Zu kindisch! Also hab ich das Plakat runter gerissen. Und jetzt ist die Wand eben leer.
Ich will sie anmalen. Mit einem Nachthimmel. Das gefällt mir. Also dunkelblauer Hintergrund, und darauf dann Sterne, Kometen, also so Stern mit einem Schweif, wie in Bethlehem, und der Mond. Und die Sonne gehört auch irgendwie dazu. Ich glaub, das wird total schön.
Also brauche ich Farben. Dunkelblau und gelb. Und die kosten eben was. Aber jetzt habe ich ja das Geld! Gleich morgen kauf ich sie, gleich in der Früh. Allererste Aktion. Morgen fällt Sachkunde aus, weil sich Frau Siebenkäs beim Klettern eine Rippe gebrochen hat. Also kann ich ins Bastelgeschäft gehen und Farben kaufen. Und gleich nach der Schule laufe ich heim. Nichts ist mit Schwimmengehen und Hausaufgabenmachen! Gleich nach der Schule male ich mir den Sternenhimmel.
Leute, ihr werdet staunen!

Zweites Bild

Ein Platz mit einer Sitzgelegenheit, im Hintergrund ein Bretterzaun.

Lisa kommt mit Schultasche und großer Tragetasche. Sie ist sehr verärgert.

Lisa:                              Mist! Wo ist dieser verdammte Füller? (Durchwühlt ihre Schultasche.) Da ist er nicht. Nein, nein, da auch nicht. (Findet einen Handschuh.) Ach! Dich hab ich den halben Winter gesucht! Aber du bist kein Füller! – Vielleicht da. (Holt eine Zahnbürste hervor.) Nichts! (Zieht eine dunkelblaue Serviette heraus.) Ääh, damit hab ich mal einen Muffin heimgetragen. (Wirft die Serviette an den Rand.) Gott sei Dank, den Muffin hab ich schon aufgegessen. (Sucht noch eine Weile.) Weg ist er! Also hat ihn Jakob geklaut, und der blöde Fragefuß glaubt mir das nicht.
Das war so: Noch vor der Stunde hab ich mit meinem Füller die richtige Lösung von Elke abgeschrieben. Also hab ich ihn nicht zuhause vergessen! Dann hat mich Jakob geärgert und mein Mäppchen verschleppt. Und als wir beim Fragefuß die Deutsch-Übung schreiben wollten, war er weg. Also kann es nur Jakob gewesen sein!
Jakob von Zuckerfeld! Ich sags euch, das ist der mieseste Typ, den ihr euch vorstellen könnt! Dem Fragefuß, meinem Deutschlehrer, schleimt er so hin, dass das Klassenzimmer so rutschig wird - wie wenn meine Badewanne voller Seife wär. Und mich ärgert er, als sei ich seine Schwester. Und am Ende glaubt der Fragefuß, dass ich eine dumme, vorlaute Ziege bin. Ausgerechnet in Deutsch! Da bin ich eh keine Leuchte!
Naja, jedenfalls ist der Füller weg. Und Fragefuß meint, ich habe ihn wieder vergessen!
Mann, hat das heute eine Hitze. Wird Zeit, dass die Ferien anfangen. Übermorgen gibt es Zeugnisse! Oje, oje!
Ratet mal, was ich in der Tüte habe! – Na logisch, die Farben!
(Holt die Farbendosen heraus.)
Das ist die Dunkelblau, und das hier die Gelb. Wird schon reichen.
So, jetzt wird’s Zeit. Mama wartet schon mit dem Essen. (Schaut auf die Uhr.) Habe mich wieder total vertrödelt. Jetzt aber los!
(Packt rasch alles zusammen.)
Mann, da läuft ja Evi. Evi, warte schnell, ich muss dich noch wegen Mathe was fragen! (In der Eile vergisst sie, den gelben Farbtopf in die Tasche zu stellen.) Ja, ich komm schon.

Sie läuft davon.

Der gelbe Farbtopf steht eine Weile alleine auf der Bühne. Plötzlich kriecht eine gelbe Person hervor.

Gitti Gelb:                     Puh, ist das eng. Wie ein Pfirsichbauch. Oh, mir tut alles… alles riesig, schaurig weh! (Streckt sich.) Beine ausbiegen und Arme hochknicken. Und Rücken geradeziehen.
(Bemerkt das Publikum.)
Oh, hippi, da ist ja wer! Hallihallo, ich bin Gelb. Habt ihr euch schon selber gedichtet, wie? Ihr könnt mich Gitti singen. So gelb wie Pfannkuchenextraklasse.
Wie ich heute schon gepiesackt wurde! Schule! Widerlich wie Mondspinnen. Immer dasitzen und still sein! Still! Ich! Iii!
Ui, endlich riesig frei!
Was seh ich denn hier? (Schaut sich um.) Wiesen, Wasserrieseln, Blumensprieseln! Viel, viel besser als die Aussicht in diesem Topf… Tipf…
Ich freu mich wie Birnensirup!
(Turnt.)
Kopf winden, Schulter zippen, Po bixeln.
Das Mieseste, Grieseligste, Fitzeligste hab ich noch gar nicht erzählt: In der Tüte, direkt neben mir, bimmelig eng, ein anderer Topf, ein anderer Tipf – ihr kommt nicht drauf – ein Tipf, ein Topf mit Dunkelblau drin. Iii! Richtig laaaaagweilig, pflaumig, und dumm wie Lehrertinte. Ich frag diesen Dunkelblau, wie er heißt. Und er, dieser mistige, dicke, pippelige Zwetschgenkuchengiftpilz, sagt mir… So hat er es gesagt: „Du bist so gelb wie der Rotz eines Schuldirektors! Ha! Ha! Ha!“
Wie der Rotz eines Schuldirektors! Hat er gesagt, dieser…. Wisst ihr eh!
(Entdeckt die dunkelblaue Serviette.)
Iii! So blau… (Hält sie vor die Augen.) Iii, ist die dieselig! Mieselig! Weißt du was? Ich hasse, ich hisse dich! Weg mit dir! Weit weg! (Wirft die Serviette ins Publikum.) So, das war gut!
(Turnt.)
Bauch krieseln, Hände riebeln, Nase zwiebeln. Und die Füße kriebeln. Das ist spitze! Iii – dunkelblau!
Und jetzt? Rumsitzen gilt nicht!
(Turn.)
Also Arme betitteln, Beine befitteln, Kopf kräftig rütteln, Rumpf mächtig schütteln.
Auf die Dauer ist das so laaaangeweilig wie dieser – dieser – ihr wisst schon. Richtig, dieser Dunkelblau!
Ich muss nachdenken, nachsinnen. Das ist gar nicht easy. Was fällt mir ein? Sonnenblumen, Limo, Eierdotter. Halt! Da war was in meinem Kopf! Spitze! Aber was? Kopf rütteln, dütteln, bütteln. Ha! Pfirsicheis! Ihr werdet gleich ganz neidisch sein! Ich hol mir jetzt ein spitze, spitze, ditze Pfirsichpfirsichpfirsicheis. – Und dann? Dann? Dann, dünn, dinn. Wer weiß…
So, wohin? Dahin.
Geht mit ihrem Farbtopf ab.

Die Bühne bleibt kurz leer.

 

       
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