zurück zur Komödienseite
 

 

Frau mit Fernbedienung

Eine Komödie in zwei Akten
von Rolf Stemmle

Personen:
Fabian
Ilona
Dominik
Frau Egg

Ort und Zeit:
Fabians Haus auf dem Land;
ein wenig nach der Gegenwart

Aufführungsrechte beim Autor
Manuskript zur Ansicht zu bestellen beim Autor

       
 

Fabians Flirt-Ratgeber „anmachen – aufreißen – reinbeißen“ ist ein Bestseller. Mit den Tantiemen kann er sich zwei große Wünsche erfüllen: ein einsames Landhaus, um den Menschen zu entkommen, und eine Frau nach Maß: Ilona, die perfekte Roboterfrau. Sie lässt sich mit genialer Software an seine Vorstellungen und Bedürfnisse anpassen. Sein Freund Dominik hingegen bestreitet sein Beziehungsleben mit realen Frauen. Eine Scheidung und Ärger mit einer Neuen haben ihn aber inzwischen mürbe gemacht. Er wird empfänglich für Fabians Beziehungsphilosophie und natürlich auch für die Investition. Doch die Gefühle und unerwartete Vorteile von „Ilona“ führen die beiden Herren auf neue Wege.
Böse Satire auf das moderne Leben!

       
 

Textprobe  

Erster Akt

Wohnraum in Fabians Haus auf dem Land.

Türen zum Flur, zu Küche, Bad und Schlafzimmer.
Fabian hat das ältere, idyllische Haus gerade bezogen. Alles ist noch in Unordnung – was ihn selbst aber nicht berührt. Konzentriert spielt er an seinem Laptop.
Nach einiger Zeit kommt Dominik. Der trägt eine Einkaufstasche. In der anderen Hand hat er ein paar Erdbeeren.

Dominik:                       Bin wieder da. – Deine Erdbeeren sind reif. Magst du eine?

Fabian:                         Ich hab heute schon zwei gegessen.

Dominik:                       Du sitzt schon wieder bei deiner Evelyn.

Fabian:                         Deine Michelle fühlt sich vernachlässigt - habe ich gerade von Evelyn erfahren.

Dominik:                       Sie soll ihr ausrichten, sie kann sich gerne einen Anderen suchen.

Fabian:                         Ein Anderer wird sie nicht wollen. Der macht sich eine eigene.

Dominik:                       Dann tut’s mir Leid. Ich hab das Passwort vergessen. – Ich bring die Sachen nach oben.

Fabian:                         Tu das, ja.

Dominik geht ab, kommt rasch zurück.

Fabian:                         Hast du an den Kuchen gedacht?

Dominik:                       Ja, hab ich. (Schaut ihm über die Schulter.) Findest du nicht, dass du Frauen mit sowas demütigst?

Fabian:                         Wieso? Die kriegen ja nichts mit davon.

Dominik:                       Komm jetzt, du hast genug für heute. Ich leg eine Sektflasche in deinen Kühlschrank. Das ist doch okay?

Fabian:                         Ist noch genügend Platz. – Zeig mal den Kuchen.

Dominik zeigt eine Packung eingeschweißten Fertigkuchen.

Fabian:                         War denn kein Bäcker auf dem Weg?

Dominik:                       Du hast nicht gesagt, dass es frischer sein soll!

Fabian:                         Schon recht. Letztlich ist es egal.

Dominik:                       Soll ich Kaffee machen?

Fabian:                         Sorry, aber der Kuchen ist für später.

Dominik:                       Ach so! Du bekommst Besuch?

Fabian:                         Nur eine Lieferung. Aber dazu gibt’s Kaffee und Kuchen.

Dominik:                       Aha! Welcher Lieferant bekommt denn Kaffee und Kuchen?

Fabian:                         Sei nicht so neugierig! Nur eine Aufmerksamkeit.

Dominik:                       Also gut! – Aber jetzt hast du Zeit für einen Piccolo! Ich möchte mich bei dir bedanken! Ganz offiziell!

Fabian:                         Für das Zimmer!

Dominik:                       Für das Zimmer! Du weißt, wie sehr du mir damit aus der Bredouille hilfst!

Fabian:                         Apropos: Wie geht’s deiner Mutter? Hat letzte Woche mager ausgesehen.

Dominik:                       Sie leidet mutwillig an meiner neuerlichen Scheidung. Um mir ihre Besorgnis zu demonstrieren, wird sie immer dünner. Aber wir kriegen langsam die Kurve. Seit ich mit ihr wieder unter einem Dach wohne, fasst sie Vertrauen in meine Lebenstüchtigkeit. Sie sieht, dass ich hart arbeite und nach oben strebe. Und dass ich mir vielleicht bald wieder eine eigene Wohnung leisten kann. Schlimm wird es nur, wenn Silke wegen der Unterhaltszahlungen anruft – oder die Buben anrufen lässt. Die verbreiten dann eine Stimmung, als sei ich Schuld an ihrem künftigen Stiefvater. – Aber gut, dass du mich an Mutti erinnerst. (Nimmt sein Handy, gibt ihm eine Piccoloflasche.) Schenk schon mal ein!

Fabian:                         Nimm das Festnetz.

Dominik:                       Nein, das geht nicht. Die Nummer wird bei ihr angezeigt. (Am Handy.) Ja, hallo, Mutti! Kannst du den Mixer kurz… Ja, so ist’s gut. Mutti, ich wollte dich anrufen. Ich bin jetzt in Leipzig. Da ist doch diese Besprechung, von der ich dir erzählt habe. - Ja, in Leipzig. - Natürlich bin ich da sehr wichtig. Die warten schon auf mich! – Ich wollte nur kurz nachschauen, ob es dir gut geht. – Ja, zwei Pfund Bauernbrot am Stück. Natürlich. Kaufe ich morgen auf dem Nachhauseweg. Ich bin jetzt in Leipzig. – Ich muss jetzt aufhören, Mutti, die anderen sind schon im Besprechungsraum. Ich melde mich morgen. - Nein, das Brot vergesse ich nicht! (Beendet das Gespräch.) So, erledigt.

Fabian:                         Du weihst das Zimmer ein?

Dominik:                       Ich habe eindeutige, erotische Signale empfangen!

Fabian:                         Super! Auf dein Wohl!

Dominik:                       Auf dein Wohl! (Holt aus.) Fabian, es ist wichtig, dass wir gelegentlich innehalten! Es ist Zeit, wie gesagt, dir für die Gefälligkeit zu danken. Aber für dich, lieber Fabian, ist es ebenfalls Zeit, Danke zu sagen. Deinem Schicksal, der Fügung, dem Lieben Gott – wie du willst. Er hat dich in wenigen Monaten zum wohlhabenden Mann gemacht, der sich ein nettes, romantisches Häuschen mit riesigem Garten aus dem Ärmel schütteln kann. Ein Paradies in den Erdbeeren, sozusagen.

Fabian:                         Hast Recht, Dominik, ich muss dankbar sein! Und?

Dominik:                       Wirklich dankbar sein! Auf dein Wohl!

Fabian:                         Auf dein Wohl!

Dominik:                       Als dein langjähriger Freund macht mir deine Entwicklung aber Sorgen.

Fabian reagiert genervt.

Dominik:                       Lass mich ausreden! Ich habe Angst, du verlierst den Bezug zu deiner Umwelt!

Fabian:                         Mensch, Dominik, ich bin kein Gesellschaftsmensch!

Dominik:                       Du hast bis gerade eben mitten in der Stadt gewohnt, warst umgeben von Kinos, Kneipen und Geschäften. Wir haben uns gemeinsam die Frauen angesehen!

Fabian:                         Mir war’s viel zu laut! Wir können nach wie vor in Kneipen gehen und den Frauen nachglotzen - wenn dir das wichtig ist.

Dominik:                       Ich meine nur…

Fabian:                         Wenn du mir Weltflucht vorwirfst, dann sei bitte so selbstkritisch und zieh eine Gesamtbilanz. Wo stehst du als Gesellschaftsmensch? Mit deinen zwei Scheidungen, deinen Söhnen, die dich terrorisieren, und deinem lächerlichen Personaldisponentenjob in einer Firma, die schon dreimal am Konkurs vorbeigeschrammt ist.

Dominik:                       Irgendwann kommt meine große Stunde, das spüre ich! Ich habe Durchhaltevermögen und Ehrgeiz! Das hat mir sogar meine Ex bescheinigt!

Fabian:                         Welche?

Dominik:                       Man kann mit dir nicht diskutieren! Gut, lassen wir das Thema! Ich wollte bloß meine grundsätzliche Sorge bekunden – mehr nicht! Ich will nicht, dass du dich in Schrullen verrennst.

Fabian:                         Wenn schon! – Komm, ich möchte das Bild aufhängen.

Dominik:                       Diese Kinderschmiererei!

Fabian:                         Das hing schon in meiner alten Wohnung. Also, sag, hier?

Dominik:                       Das ist doch von diesem Mariechen, deiner Sandkastenfreundin!

Fabian:                         Hier?

Dominik:                       Schon eher.

Fabian:                         Höher?

Dominik:                       Tiefer! Viel tiefer!

Fabian beunruhigt:       Ich hör was in der Wand!

Dominik:                       In jedem Haus knackt es mal!

Fabian:                         Im Garten gibt’s Tiere. Kann sein, sie sind schon in den Mauern. Ehrlich!

Dominik:                       Was für Tiere?

Fabian holt eine Pastillendose: Pass auf, ich mach ganz kurz auf! – Die hab ich bei den Erdbeeren eingefangen. Nur drei Meter vom Haus entfernt!

Dominik:                       Das sind Waldameisen! Stinknormale Waldameisen!

Fabian:                         Das sind Termiten!

Dominik:                       Das sind Waldameisen! Um dich herum ist Waldboden, da gibt es Waldameisen!

Fabian:                         Ich bring die morgen in ein zoologisches Institut. Wirst sehn, es sind Termiten! Ich hab ein Haus gekauft, und nun stell ich fest, es ist von Termiten befallen. Stell dir das mal vor!

Dominik:                       Fabian! Grad heraus: Du brauchst endlich eine Frau! Nur eine Frau kann dich herausholen aus solchen Schrullen und Wahnvorstellungen! Ein Freund ist da machtlos! – Ich habe eine Überraschung für dich!

Fabian:                         Du könntest mich mal ernst nehmen!

Dominik:                       Schau her! Das ist eine Kopie von einem Lebenslauf mit Foto. Erkennst du sie?

Fabian liest:                 „Helene Volkmann“.

Dominik:                       Schau dir das Foto an! Die hat im Napoli bedient, wurde entlassen und hat sich jetzt bei uns im Call-Center beworben. Das ist doch ein Wahnsinns-Zufall! Die hat dir doch immer gefallen! Schau dir das Geburtsdatum an! Keine dreißig! Oberpfälzerin! Was Solides! Ich hab Einfluss, Fabian! Ein Wort zum Personalchef, und der stellt sie ein. Und kann können wir mit Ruhe und Systematik vorgehen!

Fabian:                         Danke, kein Bedarf!

Dominik:                       Ich habe gewusst, dass du kneifst! Aber ich werde sie trotzdem einstellen lassen! Ich werde dich zur Vernunft bringen!

Fabian:                         Dominik! Ich bin bald kein Single mehr!

 

       
  zurück zur Komödienseite